Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 4 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 43 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Z I 0 N Seite 43 Die organisierte Hetze, die in Gemeinschaft mit einem Wilnaer Lokalblatt der Orthodoxie der „Israelit" gegen Rabbi Jizchak Rubinstein, den von der Mehrheit der Wilnaer Kehillah-Verwaltung neu erwählten 21 nSnpn fahrt, nötigt zu einer deutlichen Zurechtweisung. Bei dieser Betrachtung steht die Rabbinerwahl selbst für un9 nicht im Vordergrund: weder wir noch der „Israelit* haben dreinzureden, wenn Wilna wählt. Wir wollen auch nicht zu der napn Stellung nehmen, dass seit R. Schmuele'le in Wilna kein Raw gewählt werden dürfte. Vermutlich hätte die „Unabhängige" Orthodoxie, wenn die Wahl auf Rabbi Chaim Oiser gefallen wäre, die Erneuerung der Würde nicht bekämpft. Ausdrücklich soll hier noch der Verehrung für Rabbi Chaim Oiser Ausdruck gegeben werden. Uns soll der Parteigegensatz nicht blind machen: eine Thoragrösse bleibt für uns in jedem Falle ein rrnna. Hier und diesmal geht es um etwas Anderes: Es handelt sich für uns um die Person des verehrten Rabbiners Rubinstein, die der „Israelit" in unerhörtester Weise verkleinern will. Es muss doch einmal angeprangert werden, wie 'hdiSi minn *naa — wir fassen beide bewusst zusammen, weil mit der "HM nyviD eines min-p auch der minn nna verletzt wird — eklatant vernachlässigt werden, wenn es gerade den Herren in der Frankfurter Redaktion so gefällt. Denn das ist das Skandalöse, dass die Schreib: r des „Israelit" den Eindruck erwecken, dass Raw Rubinstein keinen An-' spruch auf den nuam HD3 hätte. Uns stört es nicht dass der „Israelit* unseren Freund mit Vorliebe „Herrn Rubinstein" nennt; aber die Absicht ist unverkennbar, insbesondere bei einer Zeitunjr, die dem letzten und bescheidensten Rabbiner in Deutschland alle in Betracht kommenden Ehrentitel verleiht. Rabbi Rubinstein will man nur zum Kronrabbiner stempeln. Er kam freilich nach Wilna als Kronrabbiner. Aber in Wilna hatte 1910 ein erbitterter Wahlkampf um diesen Posten stattgetunden. Die Zionisten traten für Rabb. Chaim Tschernowicz (als tj?-* an bekannt) ein, die Orthodoxie für RabbiRubinstein. Auf beiden Seiten war das Bestreben deutlich, das Amt des Kronrabbiners innerjüdisch bedeutsam zu machen — Es ist hier nicht der Ort zu prüfen, warum gerade Wilna die Zeichen der Geschichte zu deuten wusste. — Tatsache ist, dass selbst das Amt des Kronrabbiners in Wilna ernst genommen wurde. Es hiesse nun, ein bedeutsames Stück jüdischer Geschichte von Zentrallittauen schreiben, wollte man darstellen, was Rabbi Rubinstein in fast 20 Jahren aus dem Amt gemacht hat. Es sei nur an Kriegs¬ und Nachkriegszeit erinnert und an die ungewöhnliche Hingebung unseres Freundes und seiner unvergesslichen Frau, mit ihren ungewöhnlichen geistigen und ethischen Gaben, an die gesamte jüdische Bevölkerung — und jeder, der nur eine Ahnung von den Nöten der Occupation, und den wechselnden Annectionen hat, wird ermessen, was ein Führer, der auch politisch immer' im Vordergrund stand, an persönlichen Gefahren zu bestehen and an übermenschlichen Leistungen zu vollbringen hatte. Es ist aber sicher auch dem „Israelit" nicht unbekannt, dass Raw Rubinstein vor Antritt seines'Amtes in Wilna i*2N m in einer südrussischen Stadt war, dass er in seiner Jugend auf ms»»' gelernt nnd als »lSp bekannt war. Er war in Wilna Kandidat der Orthodoxie 1910 und wurde im Kriege in Deutschland von der Agudas Jisroel sehr umworben. Das gute Gedächtnis des „Israelit" wird sich dessen erinnern, dass man ihn damals nach Frankfurt einlud und nicht als Kronrabbiner höhnte, sondern ihn als hochangesehenen Littwischen Raw betrachtete. Tempora mutantur! Auch Hillel Zeitlin, der sich gegen die Wahl Rubinsteins im „Moment* aussprach, weist die Schmäher mit Energie zurück und erkennt unserem Freund ohne Einschränkung zu, dass er ein grosser mwp ist. Also ist wohl nur das Bekenntnis Rubinsteins zum Misrachi schuld, dass er beim „Israelit" seinen Kredit als Rabbiner eingebüsst hat. Zu allem Ueberfluss sei bemerkt, dass Raw Rubinstein nach dem Kriege einen nuai ara von der Kehillah in Wilna erhalten hat. Rubinsteins ungewöhnlich aufopfernde Tätigkeit im Dienste der Stadt als »*nas jpoy während und nach dem Kriege, seine grossen Erfolge als Senator im Sejm, sein grosses Ethos und die stille unauffällige Wirksamkeit, die nicht nach persönlichen Ehren strebt, seine treue Arbeit iür Erez-Israel innerhalb des Misrachi, seine echte n*a» ntn» und seine rabbinische Befähigung haben ihm in der Bevölkerung eine Popularität verschafft, die es begreiflich macht, dass ihm der Vorzug gegeben wnrde, selbst vor Männern, die noch höher als er in Thora rangieren. Wie immer man aber zu dieser Wahl stehen mag, eines ist unerträglich: dass man einen Mann von Rubinsteins Bedeutung derartig ntaa ist. Die Attacken des „Israelit" sind ein neuer Beitrag nicht nur zur Bestätigung der Wahrheit: r6pSpo niMtf mitrn n«, sondern zu dem traurigen Faktum, dass die Orthodoxie zu oft die Gebote der Sittlichkeit vergisst und im Kampfe nicht nur jede Schonung der Person, sondern auch jedes sachliche Mass ausser Acht lässt und damit der Lehre, der sie dienen will, nicht gutzumachenden Schaden zufügt. * •* * Die Nachrichten, die von der Bildung der Kneseth Israel in Erez-Israel kommen, sind ausserordentlich günstig. Die Eingetragenen in die Listen haben die Zahl 90000 erreicht, während nur 4657 Austrittsmeldungen zu verzeichnen sind. Diese Austrittler sind aber nicht nur im alten Jischuw orthodoxer Einstellung zu suchen, sondern eine beträchtliche Anzahl rekrutiert sich aus religiös-feindlichen Kreisen des neuen Jischuw,]die die Organisation der Judenheit auf dem Boden der nSnp ablehnen. Wenn trotzdem die Zahl der Austretenden.nur 5% der sich zu der palästinensischen Einheitsgemeinde Bekennenden beträgt, so lehrt ans das ein Doppeltes: