Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 4 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 42 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 42 Z I 0 N Nr. 4 dereinst fragen wird". „Wenn dann eure Söhne zu euch sprechen werden". Fragende Söhne* und antwortende Väter. In diesem seelenvollen Verhältnis zwischen beiden ruht die Gewähr fflr die Erhaltung und Entfaltung des Judentums. Wo die Kinder nicht mehr fragen, da mag die Vergangenheit noch wirksam seip^ allein ihr blüht keine Zukunft. Und wo die Kinder fragen, und die Väter nicht antworten, dort entfernt sich das neue Werden von dem geschichtlich Gewordenen und durch Lehre und Tradition Geheiligten. Nur wo die Kinder fragen und die Väter antworten, wächst die Zukunft organisch aus dem Boden der Vergangenheit heraus. Der Monat. - Eisige neue Etappen auf dem Wege der Jewish Agency, die auch weiter das Interesse der jüdischen Oeffentlichkeit wach hält. Was ist zunächst an Positivem zn berichten? Die Vereinigung der orthodoxen Rabbiner Amerikas hat eine Beteiligung an der Agency beschlossen und sich in.die dortige Front eingegliedert. Dieser erfreuliche Beschluss konnte nicht überraschen, wenn man bedenkt, in welchem Masse dort auch die Keren-Hajessod-Arbeit durch die Synagogen angeregt und gefördert worden ist, welche Spenden unser Erez- Israel-Werk bisher auch direkt durch die Arbeit der Rabbiner erhalten hat. Durch den Anschluss der Union wird nun auch in der amerikanischen Agency- Front der Gedanke min »b hy hinv* oyb b»w pK b*W beredte Dolmetscher finden. Und ebenso wird sich in Deutschland der gleiche Beschluss der A c h d n t h auswirken. Bat diese durch Namen und Programm den Gedanken der Einheit des jüdischen Volkes zum Ausdruck gebracht, so ist die Anteilnahme an der Agency nur eine logische Folgerung dieser Einstellung gewesen. Wie die Achduth auch früher zum Aufbau von Erez-Israel stand, geht daraus hervor, dass der Misrachi mehrere Jahre hindurch mit der Achduth gemeinsam ein publizistisches Organ herausgeben konnte, was heute leider durch die in dem Blatte herrschende Richtung nicht mehr möglich ist. Von den fuhrenden Männern der Achduth sind eine ganze Reihe gleichzeitig Mitglieder der zionistischen Organisation und zum Teil aktiv in ihr tätig. Insbesondere sind auch von den deutschen Rabbinern eine grosse Anzahl, die gleichzeitig dem Misrachi und der Achduth angehören. Somit kann der Beschluss dieser deutschen Organisation, sich an der Agency zu beteiligen nicht überraschen, und es ist zu erwarten, dass unter den Männern, die von Deutschland her in den Council der Agency entsendet werden, auch ein Mitglied der Achduth sich befinden wird. Kann man somit feststellen, dass diese beiden konservativen Gruppen sich positiv zur Agency stellen, so muss auf der anderen Seite festgestellt werden, dass seitens liberaler Organisationen auch erneut wieder Absagen vorliegen. Auch in England, dem Lande der Baliour-Deklaration hat die liberale Vereinigung es sich nicht versagen können, einen Beschluss im Geiste der liberalen Vereinigung in Deutschland zu fassen und somit englischer zu sein, als England, dessen politische Führer mehrfach bestätigt haben, dass man kein schlechterer Engländer wird, wenn man an der Erfüllung der Balfour Deklaration mitarbeitet. In Deatsehland hat der Central-Verein sich mit der Frage beschäftigt und nach langer Diskussion folgende Resolution angenommen: .Für den C. V. ist die satzungsmässig wesentliche Aufgabe die Vertretung unserer Ideale und unserer Interessen in der deutschen Heimat. Allen voran .steht uns. deshalb die Wahrung der Geschlossenheit der deutschen Juden für dieses Ziel. Die Tatsache allein schon, dass das Palästinawerk im Kreise der deutschen Juden nicht einheitlich beurteilt wird, und dass weite Kreise die Mitarbeit hieran seiner national-jüdischen Bedeutung und Wirkung wegen ablehnen — diese Tatsache allein schon bestimmt den Hauptvorstand unbeschadet aller anderen Gründe von der Entsendung einer Vertretung in die Jewisch Agency abzusehen". Nach offizieller Interpretation sind zwar hierdurch schon die Mitglieder des engeren Vorstandes gebunden, während die anderen, auch führende Mitglieder des C. V., das Recht haben, sich an den Arbeiten der Agency zu beteiligen, und da die meisten führenden Mitglieder des Hauptvorstandes zur Mit arbeit bereit gewesen waren, auch gegen die Resolution gestimmt hatten, so darf man annehmen, dass auch in den Kreisen des C. V. die Zahl derer, die mitarbeiten wollen, nicht klein ist. Aber wir sind der Ansicht, dass man die Agency nicht bilden kann aus Männern» die mit halben Herzen bei der Sache sind. Soll die Agency werden was sie sein muss: eine Vertreterin des werdenden Erez-Israel, eine Verteidigerin seiner Rechte, ein Dolmetscher seiner Forderungen gegenüber der breiten Oeffentlichkeit, dann muss eine solche Agency durchglüht sein von dem Ideal, für das sie schafft, dann muss sie aus solchen Männern bestehen, die ihre Person voll einsetzen für das, was sie in der Agency vertreten. Und das darf sich nicht dokumentieren in halben Resolutionen und gedeichselten Erklärungen, sondern in einem Bekenntnis zu dem ganzen Judentum, dem wir dienen. Ob man das erreichen kann bei Organisationen, die ihre Leistungen im wesentlichen abschätzen nach dem Eindruck, der ausserhalb der jüdischen Reihen erzielt wird, das ist eine Frage, die man wohl jetzt weniger als je im positiven Sinne beantworten kann.