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Zion · 1929-03-01 · 3 (3.1929) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
3 (3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 38 (sequence 16)
Language
German
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Seite 38 Z I 0 tt Nr. 3 wohnung nicht mehr Steuern als ein armer Teufel, der wegen seiner zahlreichen Familie drei Zimmer rötig hat. Tel-Aviv braucht in seinem Stadtparlament eine vom Vertrauen der Bevölkerung getragene Persönlichkeit, die mit starker Hand die Parteienwirtschaft zurückdämmt und mit Organisationstalent die Finanzen im Rahmen des Notwendigsten zu halten und trotzdem in die Entwicklung der Stadt eine grosszügige Linie zu bringen weiss. Vorerst scheint dieser Mann auch in dem neuen Stadtparlament noch zu fehlen. Es scheint, als habe man ans den traurigen Erfahrungen der Krisen jähre nicht viel gelernt. Sonst hätte man die schlechte Bauordnung revidiert und bei der jetzt nach zweijähriger Pause wieder begonnenen lebhafteren Bautätigkeit nicht Bebauungen der Bauplätze genehmigt, wie sie im Okzident nicht sein dürften. — Tel-Aviv liegt im Orient. Auch schmale und darum in der Hitze stickige Treppen — und Hausgäage, Löcher als*Kü>hen uud .Baderäume etc. werden anstandslos bewilligt und so wird der Unvernunft und der Gewinnsucht freier Spielraum gelassen. Mindestens 50% jedes Bauplatzes müsste frei bleiben 1 Soll Tel-Aviv tatsächlich zum Fremdenorr. werden — und das wäre eine Lebensfrage für Tel-Aviv — dann muss es für mehr Licht und mehr Luft in seinen Häusern und für Bäume in seinen Strassen sorgen, dann muss es noch in letzter Minute versuchen, zu einer Gartenstadt zu werden, was es heute nicht ist. Eine Stadt wie Tel Aviv brauchte aus dem Ausland Mäcene, die es ihr grosszügig ermöglichen, Anlagen zu errichten, Strassen zu chaussieren etc., ohne die Stadt finanziell zu belasten. Tel-Aviv, die einzige rein jüdische Stadt der Welt, brauchte diese Hilfe für Einrichtungen, die andere Städte durch die lange Zeit ihres Bestehens besitzen. Der diesjährige Winter erreichte schon bis Mitte Januar die Regenmenge des gesamten vorjährigen Winterhalbjahres und seither ist weiterer fruchtbarer Regen gefallen. Allerdings sind wir in diesem Winter aber auch von der, eigentlich europäischen, Grippe nicht verschont geblieben. Aber die Vorteile des anhaltenden Winters wiegen doch vor. Das für den Landmann günstige Wetter, der Beginn der fünften Alijah, die Erwartung einer lebhaften Touristensaison, haben die Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufschwung erweckt. Tel-Aviv bereitet sich sichtbar auf diesen Umschwung vor, die Bautätigkeit ist wieder lebhafter geworden. Zahlreiche neue Bauten, besonders solche von privater Seite, werden begonnen. Man sollte aber auch nicht unterlassen, einige wichtige öffentliche Rauten, so vor allem die Grosse Synagoge, deren Grundstein vor 8 Jahren gelegt wurde, und die immer noch unvollendet dasteht, wenn sie auch schon seit Jahren in Benutzung genommen wurde, zu vollenden. Und dann die Tachkemonischule, die mit ihren über 1000 Schülern die grösste und durch ihre Geschichte die bekannteste Schule des Landes ist. Vor 2 Jahren wurde das unterste Stockwerk der Benutzung übergeben. Seitdem aber ruht die Kelle des Maurers. Die Schüler sind noch immer in 4 verschiedenen Häusern untergebrächt, wodurch der Unterricht leidet, und peinliche Ungelegenheiten der Regierung gegenüber sind die Folgen gewesen. Und trotz allem ist Tel-Aviv das „Klein Paris an der westasiatischen Rivierä", es ist die ganzjüdische Stadt, die Luft ist voll von jüdischem Wollen, hier ringt man nur mit jüdischen Problemen, man arbeitet für jüdische Zukunft. Das soll man trotz aller Kritik nicht vergessen. Saly Geis. Eine Thora-Hochschule in Jerusalem. Wer in Raw Kooks, des Oberrabbiners von Palästina, seelenvolles Auge schaut, wird von Ehrfurcht ergriffen. In diesem Grossen seiner Zeit und aller Zeiten haben sich phänomenales jüdisches Wissen, glühende Begeisterung für ein Leben im Dienste des einst am Sinai dem Volke Israel erschienenen Herrn des Weltalls und nie wankende Liebe zu diesem Volke, auch wo es von seiner Bestimmung abgleitet, vereinigt. Raw Kook* Persönlichkeit ist es angemessen, ein Gaon zu sein, um den sich die edelste Aualese der Jüoglinge Israels schart. Wer ihn kennt, der möchte seine Kratt nur dieser einen Aufgabe gewidmet sehen, Menschen so zu gestalten, dass das Sehnen ihrer Seele das reine Feuer der Sinai-Offenbarung erfasst und — ergiiffen von der Flamme — das Licht der Thora-Erkenntnis ausstrahlt. Raw Kook hat bereits einen Kreis um sich gesammelt. Da sind seine Mitarbeiter, gleichgestimmte Koryphäen der jüdischen Wissenschaft. Da sind hundert Schüler, hervorgegangen aus den bedeutendsten Jeschiwoth der Welt. Das Ganze heisst die Central-Jeschiwah in Jerusalem. — In einem sechsjährigen Lehrplan führt diese Hochschule zur Beherrschung des gesamten Talmud Babli und Jeruschalmi mit der Fülle seiner vorausgegangenen und nachfolgenden Literaturen. Auch in den Standardwerken der jüdischen Religionsphilosophie werden die Hörer heimisch. Beim Studium der Bibel wird auch die sprachwissenschaftliche Metbode herangezogen. Die Ausbildung eines guten hebräischen Stils, die individuelle Veranlagung eines jeden einzelnen Schülers werden' beachtet, damit die Absolventen, wohin sie später auch kommen mögen, für die Interessen des Thora-Studiums in eigener Forschung in Wort und Schrift wirken können. Leider hemmt schon seit längerer Zeit die Not des Tages den Betrieb der so unendlich wichtigen Institution. Lehrern und Schülern fehlt das Geld selbst für einen bescheidenen Lebensunterhalt. Ganz zu schweigen davon,-dass es unter den obwaltenden materiellen Umständen unmöglich ist, die Hunderte von Zöglingen der zerstörten Jeschiwoth der Sowjetrepublik, unter denen sicherlich glänzendes Material ist, aach nur in kleiner A aus wähl noch aufzunehmen. Das gegenwärtige Monatsbudget beziffert sich auf rund M. 10.000.—, und Fonds und regelmässige Einnahmen fehlen. Es wäre dringend zu wünschen, dass sich in

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