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Zion · 1929-03-01 · 3 (3.1929) · p. Seite 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
3 (3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 37 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 3 Z I 0 N n Seite nicht der misrachistischen Schul-Inspektion unterstehe. Da die Jemeniten nur zu dem misrachistischen Erziehungswerk Vertrauen haben, mussten sie auf dieses Budget verzichten und blieben so dieses Jahr ohne Schule. Palästinensische Notizen. Der 75. Geburtstag Alexander Süsskind Rabinowitschs wurde iu der gesamten palästinensischen Presse warm gefeiert, am wärmsten aber in den Zeitungen der Linken. Dies mag Wunder nehmen, wenn man bedenkt, dass der Jubilar täglich dreimal in der Synagoge erscheint, mehreren orthodoxen Vereinigungen angehört, wie denn auch sein Schrifttum und seine Lebensfühi ung dem gesetzestreuen Masstab entsprechen; es er?cheint natürlich, wenn wir hören, dass er seit Jahrzehnten der palästinensischen Arbeiterschaft innerlich und organisatorisch verbunden ist, und sogar deren linken Flügel „Achduth Awodah", in deren Parteiblatt „Kuntress" er eine Zeitlang allwöchentlich sozial religiöse „Sidra- Betrachtungen" zu, veröffentlichen pflegte. So ist er einer der Wenigen, denen eine Synthese zwischen Tradition und religiöser Erneuerung gelungen zu sein scheint. Dies wurde auch in den Glückwunschartikeln der bürgerlichen Presse hervorgehoben, in den Arbeiterorganen — ausser in einem Artikel des „Hapoel Hazair" aus der Feder Rabbi Benjamins — indessen kaum berührt. Kein gutes Symptom für die religiöse Wirkungsmöglichk eit dieses einsamen Vorkämpfers in fremd-vertrautem Lager! Aber auch schon der persönliche Respekt, den hier ein traditionstreuer Führer im Lager der radikalen Arbeiter sich erwerben konnte, hat seinen Wert in sich und mag eine einstige Annäherung vorbereiten helfen. Die Lehrer der allgemeinen Schulen Tel - Avivs haben in einer Versammlung zu der Gärung Stellung genommen, die seit der Angelegenheit Sichron Jaacob in allen an der Erziehung beteiligten Kreisen herrscht. Leider waren die Diskussionen mehr auf die Abwehr der misrachistischen Eingriffe als auf eine wirkliche Eiörterung der Traditionsprobleme im allgemeinen Schulwesen eingestellt, und was dazu gesagt wurde, klang reichlich negativ: sowohl gegenüber dem traditionellen Wissen wie, noch stärker, gegenüber dem religiösen Tflichttum. Beschlüsse wurden nicht gefasst, und konnten, bei der mehr zufälligen Zusammensetzung der Versammlung, auch nicht gefasst werden. Doch wird der Gesamteindruck der dort gehaltenen Reden leider nicht dazu beitragen, die Einheit des Schulwesens gegen alle Widersacher von rechts und von links zu erhalten. * Raw Aronson, Tel Aviv, ist kürzlich ans der Schulaufsicht über die allgemeinen Schulen wieder ausgeschieden, nachdem er sich vor etwa einem Jahre auf Veranlassung von Baron Edmund von Rothschild zum Eintritt hatte bewegen lassen, um den religiösen Einfluss im zionistischen Erziehungswerk zur Geltung zu bringen. Man wird seine Demission leider so verstehen müssen, dass er an die Möglicl keit solchen Eirjflusses nicht mehr recht glaubt. Aach hier ein ernstes Symptom, das beiden Seiten zu denken geben sollte. Ist etwa der durch keine nähere Sachkenntnis begründete Angriff, den Herr Berkson, Direktor des zionistischen Erziehungsdepartements, wenige Tage darauf gegen die Misrachischulen, insbesondere gegen die Lehrerseminare, gerichtet hat, schon die Antwort darai-f? Wir wollen hoffen, dass wenigstens dem Schulwesen eine sachliche Atmosphäre erhalten bleibe, und dass seine verantwortlichen Leiter nur dann aus ihrer pflichtgemässen Unparteilichkeit heraustreten, wenn sie sich durch genaue Kenntnisnahme vom Stande und der eventuellen Verbesserungsbedürftigkeit der ihnen unterstellten Anstalten überzeugt haben. E. S. Tel-Aviver Brief. Man kann vielleicht Tel-Aviv als „Klein Paris an der westasiatischen Riviera" bezeichnen. An Paris erinnert die gefällige, leicht geschürzte Art der Stadt, ein zahlreiches Künstler- und Literatentum, darunter viel Boheme, der Sinn der Einwohner für die Werte der Aesthetik und der Geistigkeit. Die Riviera wird durch das wunderbare Klima und die Lage am Meeresufer, sowie durch das Streben der Stadt, am Strand ein buntes Badeleben immer mehr zu fördern, lebendig. So gibt sich das Bild wie der Tourist die Dinge schaut. Wem aber Tel-Aviv nicht Bilder in einem Kaleidoskop, sondern das Getriebe eines grossen Räderwerkes bedeutet, wessen Blick sich nicht von dem Schein der Oberfläche täuschen lässt, der empfängt andersartige Eindrücke. Der Kampf um das Minimum der Existenzmöglichkeit ist in Tel-Aviv, dieser auf Saudhügel n hervorgezauberten jüdischen Stadt, unendlich schwer. Ich las jüngst eine Statistik, nach der von den 9270 Wohnungen Tel Avivs in Ziegelhäusern 3445 Zweizimmerwohnungen und 440s Einzimmerwohnungen sind, ungerechnet die Stätten der Tausenden von Menschen, so fast aller jemenitischen Juden, die Holzbaracken bewohnen. Diese Zahlen reden eine deutliche Sprache. Nur die Bedürfnislosigkeit, die das milde Klima erlaubt, macht solches Elend ertragbar. Diese Bedüifnislosigkeit bringt aber in die übervielen Läden keine Käufer. Diese aus Mangel an Verdienst erzwungene Bedürfnislosigkeit pfercht die Menschen in zu wenig Räume und lässt den Arzt — und besonders den Zahnarzt — spar n, bis es häufig zu spät ist. Dabei kommt, ein traurig stimmender Rekord, in Tel Aviv auf je zweihundert Seelen ein Arzt. Aber auch die Stadtverwaltung Tel-Avivs selbst q'iält sich schwer ab, um wenigstens von der Hand in den Mund leben zu können. Die Stadt ist neu, e gentlich erst ein Kind der Nachkriegszeit, wenn sie sich auch anschickt, bald ihr 25jähriges Jubiläum zu feiern. Regierung und zionistische Organisation haben es ihr überlasseu, mit sich selber fertig zu werden; die Regierung hat ihr eher noch Hemmungen bereitet. So ist der Bau des Zentralbahnhofa Tel-Aviv, der für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt bedeutsam wäre, immer noch ungewiss. So will die Regierung jetzt den Vertretern der Tel-Aviver Bürgerschaft das Recht nehmen, den Magistrat zu erwählen. Die Stadt ist verschuldet. Doch die meisten Städte in der Welt sind es auch und regieren sich dennoch selber. Andere Städte haben ihre wichtigsten Einnahmen durch eine EinKommensteuer, Tel- Aviv muss sich durch die unsoziale, ungerechte Wohnungssteuer das Gros seiner Einnahmen schaffen. In Tel-Aviv bezahlt ein Reicher mit einer Dreizimmer-

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