Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 35 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Z I 0 N Seite 35 haitung. Man denke nur; in den Häusern dieser Kinder spricht man 16 verschiedene Sprachen: Hebräisch, Jargon, Polnisch, Russisch, Spanioliscb, Ära bisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Ungarisch» Bulgarisch, Georgisch, Kaukasisch, Bucharisch,* und Persisch *. Und das ist die grosse, aber schwierige Aufgabe der hebräischen Schule Palästinas: Ein Schmelztiegel zu sein, in dem all diese kleinen halben Polen und Amerikaner, Russen und Perser, Jemeniten und Griechen zu einem einheitlichen Ganzen werden — die besondere Aufgabe der traditionellen Schulen, wie die Tachkemoni: Sorge zu tragen, dass jeder kleinste Teil dieses grossen Ganzen wirklich jüdisch werde, sodass im ganzen grossen Volkskörper der Gehalt an Fremdvölkischem kleiner und kleiner, der Gehalt an Jüdischem stärker und stärker werde, bis aus all diesen Teilchen ein einheitliches, jüdisches Volk erwächst. Zu den Vorgängen in Sichron Jaacob. Vorbemerkung der Redaktion: Der Streit um die Schulverwaltung in Sichron Jaacob hat in der zionistischen Presse viel Staub aufgewirbelt und beschäftigt dauernd die öffentliche Meinung in Erez Israel. Wir bringen daher in Nachfolgendem Informationen, die uns von eingeweihter Seite zur Verfügung gestellt werden. — Wir selbst nehmen zu dieser Frage keine Stellung, sondern erwarten, dass von massgebender palästinensischer Seite uns einer Darstellung der Verhältnisse, wie das Erziehungsdepartement sie sieht, zur Veröffentlichung gegeben wird, sodass sich unsere Leser ein objektives Bild von diesen Vorgängen machen können. — Wir sind der Ansicht, dass dieser Einzeltall Sichron Jaacob ein Beweis dalür ist, wie manchmal Beweggründe politischer und kulturpolitischer Art, sicherlich zum Schaden des Gesamterziehungswerkes, für Massnahmen verantwortlich sind, die frei von politischen Einflössen bleiben müssten. Gerade im Interesse der Einheit des Erziehungwesens sind solche Einzelfälle schwer zu bedauern und wir erwarten von der öffentlichen Klarlegung und Besprechung dieses Falles ausserhalb Palästinas eine Besserung dieser Zustände. Die Schule in Sichron Jaacob gehört zu den ältesten in Erez-Israel. Obwohl ihr erster Leiter der unvergessliche Sew Jawitz war, hatte sie später kein Glück mit ihren Direktoren und Lehrern. Beinahe jedes Jahr gab es Missverständnisse und Zwischenfälle in den Beziehungen der KolonieverwaltuDg zum Erziehungsdepartement der zionistischen Executive. Vor allem war es immer wieder das religiöse Moment, das zu Unzuträglichkeiten führte, aber -auch um den allgemeinen pädagogischen Stand der Schule war es meist schlecht bestellt. Die Eltern hatten sowohl * Die mit * bezeichneten sind jüdische Dialekte dieser Sprachen. über mangelhaften Unterricht, wie über Verwahrlosung der Erziehung ihrer Kinder zu klagen. Schon im Jahre 1924 war in Sichron Jaacob ein fester Beschlüsse gefasst worden, die Schule der Aufsicht des Misrachi zu übergeben. Das zionistische Erziehungsdepartement hat es aber immer wieder verstanden, diese „Misrachi Gefahr" zu verhindern: teils durch freundliche Worte, teils durch strenge Befehle, wusste das Departement der gewünschten Reform vorzubeugen. Die Unzufriedenheit erreichte nun schliesslich im vorigen Jahre ihren Höhepunkt, als durch den neu ernannten Schulleiter, der übrigens einer extremen linken Partei angehört, sich ein antireligiöser Eirjfluss auf die Kinder bemerkbar machte, der diese auch gelegentlich zu mit der Traditon nicht im Einklang stehenden Handinngen veranlasste (z. B. Kinoth-Vorträge am Tischah B'aw unter Musikbegleitung). Die sittliche Haltung der Kinder war nicht besser als die religiöse. Es ist vorgekommen, dass das Auto einer führenden zionistischen Persönlichkeit bei einem Besuch in Sichron Jaacob mit Steinwürfen begrüsst wurde, dass eine Frau, die Produkte ihrer Wirtschaft zu Markte brachte, von Schulkindern beraubt wurde, ohne dass die Autorität des anwesenden Lehrers ausreichte, solche Streiche zu' verhindern. So ist es kein Wunder, dass die Geduld der Eltern schliesslich riss, und die Kolonie noch einmal vom Erziehungsdepartement die Ueberführung der Schule an den Misrachi verlangte, was in den Eingaben der Eltern zum Ausdruck kam. Anders aber dachte die Ortsverwaltung von Sichron Jaacob, die aus unbekannten, oder wie man in Palästina sagt, „aus politischen Gründen" den Uebergang der Schule zum Misrachi um jeden Preis vermeiden wollte. Um auch diese Herren für den Misrachi zu-gewinnen, haben unverantwortliche Privatpersonen die Verwaltung zu überzeugen versucht, da3s eine Misrachischule der Kolonie bedeutend billiger zu stehen kommen werde. Natürlich hat dieser unkluge Schritt der Entwicklung der Dinge mehr geschadet als genützt. Die Verwaltung war zwar durch den Druck der öffentlichen Meinung gezwungen, mit dem Erziehungs-Departement im Sinne der Ueberführung der Schule an den Misrachi zu verhandeln, konnte oder wollte jedoch keine Resultate erreichen. Dagegen worden Gerüchte verbreitet, der Zweck des Ueberganges sei rein pekuniär und habe nichts mit religiösen Wünschen zu tun. Es gelang dem Erziehungs Departement sogar, den Schulinspektor und die Leitung des Misrachi in der Person des Raw Perlin zu einem Brief an Sichron Jaacob zu bewegen, in dem der Misrachi auf die Uebernahme der Schule verzichtete, da die Motive der Eltern nicht religiöse oder moralische seien. Die Wirkung dieses Briefes war, dass sich die Eltern gegen diese unbegründete Beschuldigung empörten und die Veiwaltungsmitglieder