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Zion · 1929-03-01 · 3 (3.1929) · p. Seite 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
3 (3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 31 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Z I 0 N Seite 31 (Bibel, Mischna, Halacha, Gebetserklärung, jüd. Geschichtet, noch 10 Wochenstunden Talmud unterrichtet werden? An dieser Zahl gemessen klingen die so häufigen Berichte über die Unreligiösiiät der Tel-Aviver Bevölkerung doch stark übertrieben, besonders wenn man in Betracht zieht, dass die Zahl von 855 Tachkemoni-Volksschüler, die Zahl der in der Schule autgenommenen Schüler angibt, während all die vielen unberücksichtigt bleiben, deren Eltern ihre Kinder in diese Schule schicken würden, wenn die Tachkemoni- Schule nicht gezwungen wäre, vielen Schülern aus Raummangel die Aufnahme zu verweigern. Dass Kinder in Palästina „aus Raummangel1' eine nicht religiöse Erziehung ei halten, im Gegensatz zum Wunsche ihrer Eltern, sollte allen, die um die Entwicklung des religiösen Palästina besorgt sind, zu denken geben. I. Die Verteilung der Schüler auf die 8 Klassen der Schule ist die tolgende: Stute 1 (erstes Schulj.), 4 Parallelklassen 153 Schüler „ 2 4 157 „ „3 3 134 „ „4 3 120 „ „ 5 3 106 „ „6 2 86 „ „7 2 73 „ „8 1 26 „ 855 Schüler Jeder Schulmann und wohl mancher Laie wird sofort die Frage stellen: Von 163 Schülern der Unterklasse bleiben nach 8 Schuljahren nur 26? Da muss die Zahl der „Sitzenbleibenden", der eifolglosen Schulbesucher, doch eine erschreckend grosse sein! — Das ist nicht der Fall. Die grosse zahlenmässige Differenz zwischen den in Stufe 1 eintretenden und den aas Stufe 8 abgehenden Schülern ist auf Faktoren verschiedener Art zurückzuführen, die wir hier nur kurz erörtern können. 1.) Die palästinensische jüdische Bevölkerung wächst durch Einwanderung. Die Einwanderer sind meist jung und sind bei ihrer Ankunft entweder un verheiratet, oder ihre Kinder stehen noch im zarten Alter. Diese Einwandererkinder füllen dann die Unterklassen, während die Zahl der Einwandererkinder, die ihrem' Alter entsprechend in die Oberklassen aufgeLommen werden eine ganz geringe ist. Würde die Einwanderung—was ja nicht anzunehmen ist — auf einige Jahre ganz stocken, so würden diese starken Zahlendifferenzen allmählich viel geringer werden. Da aber die Ein Wanderung — im stärkeren oder schwächeren Tempo — stets weitergeht, so werden jedes Jahr neue Unterklassen eröffnet, sodass das palästinensische Schulwerk mit der jüdischen Bevölkerung Palästinas organisch wächst. 2.) Palästina ist bis heute noch ein Land ohne Schulzwang. Auch die bescheidene Forderung einiger Pflichtschuljahre, etwa 5 oder 6, diein Ländern mit genügen kulturellen Ansprüchen, wie z. B. Serbien oder Paraguay, das Mindestmass sind, besteht in Palästina nicht! Es ist vollständig dem Gutdünken der Eltern überlassen, ob und wann und wie lange sie ihre Kinder zur Sehule schicken wollen. Der Grund für diese erstaunliche Erscheinung ist in den „demokratischen" Anschauungen der palästinensischen Regierung zu suchen. Da die Regierung die arabischen Fellachen und die Beduinen nicht zwingen kann, ihre Kinder in die von ihr gegrüadeten, unterhaltenen und verwalteten Sehulen zu schicken, da sie andererseits auch nicht über genügend finanzielle Mittel verfügt, für alle Kinder der arabischen Bevölkerung Schulen und Lehrer bereitzustellen, so lässt sie die Dinge auf sich beruhen. Sie stellt an ihre jüdischen Untertanen ebenfalls nicht die Forderung eines Mindest-Pflichtbeauches einer Schule, noch räumt sie einer rein jüdischen Kommune, wie z. B. Tel-Aviv, das Recht ein, dieses elementare „Recht des Kindes" auf Schulbildung von den Eltern zu fordern. Nun haben wir Juden ja den Wert von Bildung und Erziehung schätzen gelernt, und die Zahl der Kinder, die infolge des fehlenden Schulzwanges überhaupt keine Schulbildung empfangen, ist sicher gering, doch gibt es Fälle, dass Angehörige^ des „alten ^Jischuw" ihre Töchter nicht zur Schule schicker, zumal der'; Besuch einer hebräischen Schule, wie auch das Erlernen einer Fremdsprache, immer noch, theoretisch zum mindesten, der Strafe des „Cherem'' unterliegt. Von Tel-Aviv jedoch ist anzunehmen, dass alle Kinder im Schalalter irgend eine Schule besuchen, aber eine andere Frage ist: „Wie lange'1? — Darüber gibt das Schulregister der Schule Auskunft: Im 3. Schuljahr taucht zum ersten Mal die Bemerkung auf: „Abgegangen zur Arbeit" und diese Bemerkungen mehren ^sich von Jahr zu Jahr, im 5. und 6. Schuljahre werden sie häufig. Das, was für den Europäer geradezu unfassbar scheint, ist hier eine tagtägliche Erscheinung: unter wirtschaftlichem Druck werden jüdische Kinder von ihren Eltern im 4., 5. Schuljahre aus der Schule genommen und zur Arbeit geschickt, die Knaben in die Werk statten, die Mädchen zum Waschen, Scheuern, Kinderwarten in fremde Häuser. So sieht man in Tel- Aviv sehr oft z. B. 10-12 jährige Jemenitenmädchen „als Scheuerfrauen'1 arbeiten. Daraus erklären sich teilweise die obigen Zahlen: bat der Junge ein wenig Schreiben, Lesen und Rechnen gelernt, so glauben die Eltern, in vielen Fällen, ihre Pflicht getan zu haben und nun berechtigt zu sein, an das Kind den Anspruch zu stellen, zum Unterhalt der Familie beizutragen. Das ist eine recht traurige Erscheinung, die uns zeigt, dass kein Volk ohne Gesetze leben

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