Mannheim
Compact Memory

Zion · 1929-03-01 · 3 (3.1929) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
3 (3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 30 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3133276-3139346-3139349--0044-3139520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 30 Z I 0 N Nr. 3 von seinem religiös-sozialen Gesetz umspannt wird. Der Idealtyp des jüdischen Gemeinwesens, der jüdische Staat, ist längst zertrümmert. Aber ein „tragbarer Staat", der Talmud und die Dezisoren bleibt uns. In Babylonien entstand zu gaonäischen Zeiten nochmals ein jüdisches Kulturzentrum, ein Gemeinwesen, das vom jüdischen Recht beherrsch* war. Das Recht aber ist die Seele des Volkes* Es bestimmt den Rhythmus der Gesellschaft. Es ist kein Zufall, dass die gaonäische Periode halachisch so produktiv war in Form der niaitrni mW- Die Responsenliteratur aber ist — sub specie vitae gesehen — die höchste Form der halacbischen Produktivität, höber selbst als die Kodifikation und Systematisierung, denn sie ist aus dem Leben erwachsen und meistert das Leben. Choschen Mischpath hat bei einem grossen Teil der Judenheit aufgehört die jüdische Gesellschaft zu beherrschen; ihr Rhythmus ist unjüdisch geworden. "Wir wollen nicht anklagen, wir wollen das lediglich feststellen. Aber eins verlangen wir: das stets gegenwärtige ßewusst sein, dass wir hier nur einen Torso des Judentums leben, dass sich das religiös soziale Gesetz des Judentums hier vor allem nicht als gemeinschaftsgestaltender Faktor bewähren kann. Aus all dem Gesagten ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit die Art unserer Einstellung zu b h n v ♦ p *i k , aus weltanschaulicher Notwendigkeit heraus, nicht als Modehauch opportunistischer Zeitstiömungen. Und da kann es nicht oft genug betont werden: Unsere Ski»» j>ik-Sehnsucht entspringt dem tiefsten Verlangen nach Erfüllung undVerwirklichung der min in ihrer Ganzheit. Das ist zwar nichts Neues; diese Art der v-a-Sehnsucht war den echten nnin» aller Generationen eigen. Unserer Zeit ist aber das unerhörte Gluck zuteil geworden, die Möglichkeit zum Aufbau eines jüdischen Gemeinwesens im heiligen Lande der Väter zu besitzen, einen Jungbrunn für die ganze Diaspora-Judenheit schaffen zu können, ein jüdisches Kulturzentrum, in dem nicht nur die lebendige heilige Sprache wieder klingt, sondern — was noch weit mehr ist — der religiös soziale Sinn der Halachah wieder lebendig wird, wenn es gelingt, die min Beherrscherin des Gemeinschaftslebens werden zu lassen. Ibtnv* min »b by bxw oyb bttw p« \bw n^w* ji'SD;n» »a Aus der Schülerstatistik der Tachkemoni-Schule in Tel-Aviv. Von Lehrer Ch. E n o c h, Tel Aviv. Schulstatistiken geben stets einen interessanten Einblick in das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben einer Bevölkerung. Nicht nur 'für die Pädagogen, sondern auch für den Wirtschaftler und den Politiker sind sie eine Quelle des Wissens und der Erkenntnis — wenn er die Sprache der Zahlen versteht und die Faktor od, die diese Zahlen so und nichts anders haben entstehen lassen, richtig in Rechnung zieht. Denn die Schule ist wie ein Barometer, das nicht nur Aufschluss über die augenblickliche Wetterlage gibt, sondern auch die Möglichkeit gewisse Schlüsse hinsichtlich des Wetters der nächsten Zukunft zu ziehen. Und wenn wir wissen möchten, wie es heute im jüdischen Palästina steht und eine Prognose für dasjenige des kommenden Geschlechts stellen wollen, so haben wir in der Schülerstatistik ein zuverlässiges und von allen parteimässigen Einflüssen unabhängiges Instrument. Vor uns liegt die Statistik der Tachkemoni-Schule Tel-Aviv für das Schuljahr 1927/8, aus dem offiziellen Schulregister zusammengestellt, und wir wollen versuchen, an Hand ihrer Zahlen einige Schlüsse über die politische, religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Lage der Bevölkerung Tel-Avivs zu ziehen. Am Ende des genannten Schuljahres besuchten die Schule 855 Schüler1) Da sie, abgesehen von der „Talmud-Thora für Jemeniten", die einzige miarachistische Knabenschule der Stadt ist, so liegt die Frage nahe: ein wie jrosser Teil der Bevölkerung der Stadt wünscht für seine Kinder eine „miarachistische Erziehung", d. h. eine Erziehung, die »Thora im Derech Erez" als Leitmotiv gewählt hat und nicht die „religiös-neutrale" der allgemein-zionistischen Schulen und nicht die „nur religiöse Erziehung" der verschiedenen Chadarim? Die Volksschüler Tel Avivs, 4112 an der Zahl, verteilen sich wie folgt (laut Statistik des Erziehungsdepartements der Stadtverwaltung)2) Misrachi Schulen: Allgemeine Sc-hulen: TacLkemoni 878 2562 Talpiot Mädchenschule 432 Jemeniten-Schule 240 1660 (35 0/0) (65o/0) Das ist kein ungünstiges Resultat, besonders wenn man zum Vergleich die Frage stellt: eine wie grosse Zahl von Eltern würde z. B. in Deutschland — falls sie die Möglichkeit hätten, — ihre Kinder in Schulen schicken, in welchen neben allgemeinen Bildungsrächern, neben vielen anderen religiösen Fächern 1) In diesem Bericht ist nur die 8 klassige Tachkemoni- Volksschule berücksichtigt, nicht die 4 Oberklassen (9.—12. Schuljahr), die die Realschule-Tachkemoni bilden, und von der vielleicht ein anderes Mal die Rede sein wird. 2) Die Zahlen umfassen nur die Schulen der zion. Organisation. Religiös-neutrale Schulen einerseits und Chadarim andererseits sind unberücksichtigt geblieben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.