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Zion · 1929-03-01 · 3 (3.1929) · p. Seite 27

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Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
3 (3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 27 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Z I 0 N Seite 27 Und so hätte der Antrag fallen müssen, wenn nicht — eben Herr Morits A. Loeb, einziger Vertreter der Konservativen in der Repräsentanz, durch Stimmenthaltung dem liberalen Antrag zum Siege verhelfen hätte! Wenn der Vertreter der Konservativen dagegen gestimmt hätte, so wäre diese neue unjüdische Reform unmöglich gewesen, die bis vor kurzem selbst in der Reform-Synagoge in der Johannisstrasse nicht eingedrungen war. Erst vor einem Monat die Anklage: „Jüdisches Volk! Wahret Eure heiligsten Güter! Die Volks partei Schrittmacher für weitere Reformiernng! Und einen Monat später sehen wir, wohin konservative Politik in der Berliner Repräsentanz das Judentum steuert. Auf dem Leipziger Delegiertentag des deutschen Misrachi gab es eine ernste Diskussion über die Stellung der Misrachisten in den Gemeinden. In Bezug auf die Stellung in der Berliner Gemeinde herrschte Einigkeit. Der andere Punkt, mit dem sich die vorige Monatsübersicht beschäftigt hatte, war die Arbeit an der Schaffung der Jewish Agency. Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum hat inzwischen eine Beteiligung an der Agency abgelehnt. Er gibt hierfür folgende Gründe an: 1. Nach den Bestimmungen des Palästina-Mandats ist es Zweck der Jewish Agency, Rat und Mitarbeit zu gewähren bei der Errichtung des jüdischen nationalen Heimes. Im Palästina-Mandat ist ausdrücklich bestimmt, dass durch die .Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina" die historische Veiknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina als Grundlage für die Wiedererrichtung seines nationalen Heimes in diesem Lande anerkannt sind. Der Vorstand betont gegenüber der in diesen Formulierungen niedergelegten Auffassung wiederholt, dass die Vereinigung im Judentum eine religiöse Gemeinschaft sieht, deren Bekenner zu den verschiedensten Völkern gehören. 2. Hieraus folgt, dass dem Land Palästina in der Zukunftsgestaltung des Judentums nach liberaler Auffassung keine Sonderstellung eingeräumt werden kann. Die Palästinasiedluüg kann einen Teil der zur Behebung der .Judennot erforderlichen Massnahmen bilden; sie muss sich jedoch dem kolonisatorischen Gesamptlan einordnen. 3. Die Besiedlung eines Landes kann in der Gegenwart nicht lediglich mit historischen Gründen gerechtfertigt werden. ' Eine Besiedlung Palästinas darf in der Gegenwart nur im Einverständnis mit der Bevölkerung des Landes durchgeführt werden. Es wäre sinnlos zu polemisieren. Wie sollten wir uns mit der Anschauung auseinandersetzen, dass „dem Land Palästina in der Zokunftsgestaltung des Judentums keine Sonderstellung eingeräumt werden kann?" Wir überlassen diese Polemik denen, die mit den Liberalen der Ansicht sind, „dass das Judentum eine religiöse Gemeinschaft sei, deren Bekenner zu den verschiedensten Völkern gehören". Nur wissen wir nicht, in welcher Weise dann die Zionistische Organisation, die zur Zeit bestehenden Hindernisse für die Mitarbeit der (liberalen) Vereinigung beseitigen kann. Etwa dadurch, dass (der Satz muss nochmals her) „dem Land Palästina in der Zukunftsgestaltung keine Sonderstellung eingeräumt" wird?— Ein Antrag für den nächsten Zionistenkongress! Wird er angenommen, dann steht der Mitarbeit der liberalen Vereinigung nichts im Wege. Gar nichts mehr im Wege . . . Immerhin — man sah in der Sitzung des Misrachi, die einmütig die Haltung des konservativen Vertreters in der Berliner Repräsentanz missbilligte, mehrere konservative Rabbiner. Und in der Jahresversammlung des Keren Hajessod überall Rabbiner. Männer, die das Berliner Judentum führen, stehen denen gegenüber, die es repräsentieren. Offizielle Erklärungen der Konservativen und Orthodoxen zur Agency liegen noch nicht vor. Indessen darf man die Ausführungen, die Herr Jakob Rosenheim in der Berliner Versammlung der Agada machte, nicht lediglich als private Meinungsäusserung betrachten. Er sagte: „die Aguda ist bereit, in der Agency mitzuarbeiten falls 1) die Agency nur der wirtschaftlichen Kolonisationsarbeit und der Vertretung der gesamtjüdischen politischen Interessen gegenüber Mandats - macht, Völkerbund und der nichtjüdischen Bevöl kerung des Landes dient, 2) die Orthodoxie in Palästina völlige kulturelle, insbesondere Schul- Autonomie erhält, und zwar öffentlich - rechtlich garantiert, etwa nach Mass^abe des preussischen Austrittsgesetzes von 1876." Die Bedingungen, unter denen eine Beteiligung in Aussicht genommen wird, sind nur in grossen Strichen angedeutet und öffnen die Tür für Besprechungen über ein Zusammenarbeiten. Für uns als Misrachisten ist insbesondere interessant was unter 2) über die Orthodoxie gesagt wird. Die Schul-Autonomie in Eraz Israel ist eine Forderung, die auch wir gestellt und im grossen und ganzen erreicht zu haben glauben. Wer unsere Tagungen kennt, weiss, dass viele Misrachisten auch mit der jetzt bestehenden Ordnung der Dinge noch keineswegs zufrieden sind und eine weitergehende Autonomie im Rahmen des zionistischen Etziehungswesens für nötig halten. Dass die Agency aber eine Schul-Autonomie im allerweitesten Masse wird gewähren müssen, erscheint auch uns klar und wir glauben nicht, dass hier Differenzen entstehen können. Aber gänzlich abwegig ist es, wenn Herr Rosenheim (nach den Berichten der J.T.A.) für seine Forderungen nach völliger kultureller Autonomie das preussische Austrittsgesetz von 18?6 zum Vorbild wählt. Wir brauchen einem Mann, der die Geschichte dieses Gesetzes so gut kennt wie er, nicht ins Gedächtnis zu rufen, unter welchen Umständen und gegen welchen Feind es geschaffen wor-

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