Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 21 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Z I 0 N Seite 21 zu beiden Seiten der Hauptstrasse, die Plätze für die Bäumchen schon abgesteckt und die jungen Stauden bereits vorbereitet: dann aber müssen die Kinder und jungen Menschen ihre Arbeit schon selber tun; keineswegs nur zu Schmuck und Zierde haben sie die Geräte mitgenommen, und wenn dann der Hauptzug endlich eintrifft, so grüssen ihn von allen Seiten frisch duftende Erdlöcher mit eben eingepflanzten jungen Bäumen; eine jede Schule sucht sich stolz „ihre Chaluzini" heraus, und man bittet die Lehrer, der kleinen Pflanze, die man beinahe als sein eigenes Werk empfindet und zu deren künftigen Gedeihen man ja wirklich manchen Spatenstich beigetragen hat, für ihren langen Lebensweg einen Segenswunsch mitzugeben. Die Siedlung selbst aber freut sich der Tausende ihrer Gäste: ein farbig geschmückter Empfangsbogen ist an ihrem Eingang aufgestellt, von dem der hebräische Willkommensgruss in bunten Buchstaben winkt; viele Häuser tragen ähnliche Inschriften und fast alle die hier so wichtige Einladung : „Wen dürstet, der trete ein und trinke Wasser!•' Ausserdem aber ist ein richtiges Zelt errichtet, in dem etwa die Bilder Herils und Sir Herbert Samuels hängen und von dem aus die Süssigkeiten verteilt werden, die jedes von den Tausenden Kindern heute in bescheidenem, aber doch Freude erregendem Masse als Geschenk empfängt. Das hindert nicht unzählige private Strassenhändler, unter denen auch so manche Araber, mit allerlei Leckerbissen reiche Ernte zu halten; doch auch der Eeren Eajemeth kommt an solchem Tage nicht zu kurz: fast ein jeder, ob gross oder klein, trägt heute, als Ausweis seiner Spende, ein Bändchen im Knopfloch, das einen jungen grünen Baum im Bilde zeigt. An diesem Tage, — „so]ch ein Gewimmel möcht ich sehnt'' — an dem sich alle Schichten der Bevölkerung festlich beteiligen, an dem so mancher arme Jemenite seinen Tageslohn im Stiche lässt, um nur mitfeiern zu können, fühlt man leibhaft, dass Judentum nicht nur eine blasse Gedankenkonstruktion ist, sondern dass unser „Volk Israel lebt". Trotz allem aber soll auch ein Einwand nicht verschwiegen werden. W e bei unseren Minhagim im Galuth die Gefahr bestand und besteht, dass sie allzusehr nur „religiös" und zu wenig lebendig und volkhaft sind, so besteht bei diesem alt-neuen Minhag die gerade umgekehrte Gefahr. Für die ersten Jahre des Aufbaues, in denen wir ja im Grunde immer noch stehen, mag allein das Gefühl einer echt volkstümlichen jüdischen Gemeinschaft, die nicht nur eine ausgeklügelte Nationalideologie ist, sondern wirklich gewisse Tage gemeinsam verleben kann, schon einen beglückenden Erlebnisinhalt gewähren. Auf die Dauer aber genügt das nicht. Man wird suchen müssen, diesen Festen einen geistigen und religiösen Inhalt zu geben, der über das Einpflanzen der Bäume und über die blosse Freude am Zusammensein so vieler jüdischer gleichgestimmter Menschen hinaus- und in die Tiefe wächst. Bis dahin aber sollten sich die offiziellen Festredner vor einer Gefahr hüten, die sie schon als eine bedenkliche Erbschaft von der Haskalah- Literatur übernommen haben und wohl selbst garnicht in ihrer Problematik begreifen-, von Gott zu sprechen, wenn sie nur das Volk meinen, von Mizwoth zu reden, von wirklichen Mizwoth, wenn sie diesen Begriff in seiner Tiefe und Unerbittlichkeit, die nirgends anders wurzelt als im Gottesgebot, garnicht bejahen können und wollen, mit einem Worte: die gesamte religiöse Phraseologie, die ja allerdings nicht zufällig so tief in den Charakter der hebräischen Sprache eingedrungen ist, nur redensartlich, statt in ihrer echten Wirklichkeitsbeziehung zu verwenden Dies kann freilich nur dann besser werden, wenn sich die berufenen religiösen Führer des Jischuw in viel höherem Masse als bisher um die Ausgestaltung und jüdisc he Frucht barmachung unseres neuen Minhag bekümmern: auch hier heisst also die Losung, nicht abseits steheD, sondern Mitarbeit. E. S. Der Jarkon, Ausflüge in Erez-Israel. Von Dr. J. Engel, Jerusalem. Einer der wasserreichsten und interessantesten Flüsse Palästinas ist der uns aus dem Buche Jehoschua bekannte „Jarkon", heute „Audja" benannt, der seinen Ursprung in der Nähe von Eäs el-Ain, unweit der jüdischen Kolonie Petach Tikwa bat. Wenn mich als Lehrer mit dem Speziaistudium der Geographie an und für sich schon jeder Flusa interessiert, so hatte doch naturgemäss in einem so wasserarmen Land wie Palästina dieser wasserreiche Fluss, der stellenweise eine Breite von 40—50 Metern und eine Tiefe von 6—7 Metern erreicht, mein besonderes Interesse. Ist doch ein solcher Fluss, den man bei der Dürre und Wasserarmut des Landes fast versucht wäre, einen Strom zu nennen, für die Entwicklung der Pflanzungsknlturen in weitem Umfange seines Flussgebietes von ausserordentlicher Bedeutung Als ich vor etwa 20 Jahren nach Palästina kam, war der Jarkon kaum ernstlich beachtet. Ich nahm bald Gelegenheit mit meiner Schule eine Exkursion an den Jarkon zu machen. Es war das damals garnicht ein so leichtes Unterfangen, denn die Schwierigkeiten des Geländes waren beträchtliche. Mit Hilfe einiger Esel hätte mau schon manches Hindernis leichter überwinden können, da wir solche aber nicht zur Verfügung hatten, mussten wir glühende Sanddünen zu Fuss durchqueren, ehe wir nach etwa vierstündigem, mühevollem Marsch, an unser Ziel gelangten. Der Lohn für unsere Mühe blieb nicht aus. Ein prachtvoller, sehr umfangreicher Orangegarten nahm uns gastlich auf. Grosse, alte Feigenbäume,