Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 20 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 Z I 0 N Nr. 2 Als die Form der Wirtschaft nun, bei der am besten diese Gesichtepunkte sich verwirklichen lassen, erscheint eine gemischte Wirtschaft auf bewässertem Boden mit Pardes als finanzielle Grundlage. Als zweckmässige Grösse können etwa 15—20 Dunam angenommen werden. Davon ca. 7 D. für den Pardes, 6-8 D. für Gemüse- und Futterbau 1—3 D. für Bananen, Wein oder Aehnliches und 1—2 D. für Hof, Geflügel und Gebäude. Der Aufbau der Wirtschaft erfolgt dann so, dass zuerst der Pardes von allen Siedlern gemeinsam angelegt wird. Während der ersten 5 Jahre d. h. bis der Pardes tragend wird, arbeiten die Siedler als Arbeiter, wobei als wesentlich anzustreben ist, .dass ihre Arbeitsstätte so gelegen ist, dass sie in ihrerJFreizeit die Arbeiten in ihrer eigenen Pardes-Anlage miterledigen können. Auf diese Weise wird eine erhebliche Verbilligung der Anlage erreicht unter gleichzeitiger persönlicher Bindung des Siedlers an seinen zukünftigen Boden. Im 6. Jahre werden dann die Gebäude errichtet evtl. auch Vieh- und Geflügelstall eingerichtet und die Wirtschaft dem Siedler übergeben. Die Kostenrechnung einer solchen Anlage würde etwa wie folgt aussehen. 1. Boden 4—10 engl. L per Dunam 6U—160 engl. L 2. Meliorationen des Bodens, Tiefpflügen, planieren etc. 17 - 20 engl. L 3. Pardes-Anlage 350 engl. L abzüglich 50 eDgl. L Eigenarbeit 300 engl. L 4. Für Gebäude etc. bei Einrichtung der Wirtschaft 100—150 „ Von diesen Summen muss für den Boden ein langfristiger Kredit verlangt werden. Ferner muss jeder Siedler eine gewisse Summe selbst autbringen, etwa ICO—150 engl. L. Es bleiben also etwa 40J engl. L. pro Siedler. Diese 4 0 engl. L. sind im Laufe von 5 Jahren zu beschaffen und wir glauben und hoffen, dass das durchaus im Bereiche des Möglichen liegt.*; Prof. Aereboe, der bekannte Volkwirtschaftler, spricht in seinem Buch über landwirschaftliche Betriebslehre von einem „Zwang zur Intensitäta._Er will damit sagen, dass, wenn man eine Wirtschalt bis zu einem gewissen Punkt „intensiviert" oder wie man heute sagt „rationalisiert" hat, eine wirtschaftliche Notwendigkeit besteht den Prozess zu Ende zu führen. Wir möchten diese Idee des „Zwangs zur Intensität" auch auf die landwirtschaftliche Palästinaarbeit des deutschen Misrachi anwenden. Und um wieviel stär- *) Bei Uebergabe der Wirtschaft an den Siedler ist ein Vertrag mit ihm abzuschliessen, in dem die Termine der Rückzahlung des durch die Organisation investierten Geldes lestgelegt worden. ker muss dieser Gedanke wirksam werden, wo es sich nicht nur um materielle Fragen, sondern um die Verwirklichung der Grundidee des Misrachi handelt. Ein neuer Minhag. Der neue Jischuw in Erez Israel hat sich einen neuen Minhag geschaffen, oder doch eineu alten in einer Weise umgestaltet, die eine'Erneuerung bedeutet. Wir meinen die Feier des 5. Schwat, des „Neujahrs der Bäume", das ja in seiner kalendarischen Festsetzung nur für Palästina und seine Nachbarländer, nicht aber für die europäischen Judenheiten passt, deren Bäume, selbst wenn sie solche haben sollten, sich nicht mitten im Winter mit neuen Sätlen füllen. Insofern also war es schön und sinnvoll, diesen Tag, der so ganz besonders mit der palästinensischen Erde und ihrem Himmel verbunden ist, zu einem Volksfest zu gestalten, an dem das, was im Aus'ande mehr oder minder leere Form ist, sich wieder mit wirklichem Inhalt erfüllen kann. Schon seit Jahren ist es Brauch, dass sich am Morgen des (meist vom strahlenden Früblingswetter begünstigten) Tages alle jüdischen Schulkinder Jerusalems, und ebenso der anderen Orte, mit Ausnahme der allerjüngsten Jahrgänge und, allerdings, auch mit Ausnahme der Zöglinge agudistischer Schulen in einem der grossen Schulhöfe versammeln, festlich mit Blummen geschmückt, ausgerüstet mit Spaten und Hacken, die gleichfalls mit frischem Grün umschlungen sind, und begleitet von ihren Fahnen. Unter den Klängen der Schul-Orchester beginnt dann, nachdem meist eine kurze Rede irgendeines stimmgewaltigen Lehrers angelört wurde, der Marsch durch die Stadt, der von hunderten von Menschen zu beiden Seiten der Strasse flankiert wird und der sich äusserst langsam vorwärts bewegen kann, einmal, weil in dem genau vorbedachten und geordneten Festzuge natürlich die unteren Klassen der Volksschulen die Spitze haben und das Tempo angeben, und dann weil die unzähligen Wagen, Autos, Omnibusse usw., in denen ein grosser Teil auch der erwachsenen Bevölkerung Jerusalems dem gemeinsamen Ziele zustrebt, immer wieder ein schnelleres Fortkommen verhindern. Dieses Ziel wechselt alljährlich, ist aber immer eine nicht allzuweit von der Stadt gelegene Siedlung, manchmal eine, die am 15. Schwat des Vorjahres noch garnicht bestanden hat, — so schnell und sichtbar wächst, trotz allem, unser Werk — und in der es nun gilt, die eigentliche Zweckbestimmung des Tages zu erfüllen: neue Bäumchen einzupflanzen, den „Geburtstag der Bäume" wiiklich zum Tage ihrer Geburt zu gestalten. Besonders ausgewählte Schüler aller Anstalten, eben jene, die die erwähnten Geräte mit sich führen, sind bereits vorher an einer Wegkreuzung ausgesondert worden und begeben sich in schnellerem Marsche in die Siedlung. Dort sind, etwa