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Zion · 1929-02-01 · 2 (2.1929) · p. Seite 19

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Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
2 (2.1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 19 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 Z I 0 N Seite 19 lästina hin erzieht, sondern in noch höherem Masse deshalb, weil die Lehrgutausbildung der einzige Weg ist, der zu einer vollwertigen Voibereitnng unserer Menschen auf Palästina führen kaiin. Ohne Ineinandergreifen der geistigen und beruflichen Ausbildung können wir nie damit rechnen, dass sich unsere Chaluzim — vom misrachistisbhem Standpunkt aus gesehen — hier bewähren. Und doch muss diese ganze_Leistung zur Unfrucht. barkeit verurteilt werden, wenn es nicht gelingt, das mit der Ausbildung begonnene Werk in" Palästina fortzusetzen Wenn es nicht gelingt, die in Rodges geschaffenen Aufbaukräfte in Palästina zusammenzufassen und wirksam werden zu lassen, wird der grösste Teil davon verloren gehen — wahrscheinlich ganz, zum min" destensaber für uns. Es ist hier nicht der Platz um die »normale jüdische Entwicklung" hier im Lande aufzuzeigen. Nur einige Worte über die ökonomischen Aussichten des Arbeiters. Man sieht immer und immer wieder, dass es dem einzelnen Arbeiter fast unmöglich ist, auf sich allein gestellt, zu einer selbständigen Wirtschaft zu kommen. Der Durchschnittslohn ist so gering, dass er gerade iür 'die täglichen Bedürfnisse ausreicht. Die meisten Arbeiter kommen aber durch Arbeitslosigkeit and Krankheit nicht ohne Defizit aus. Es gibt immer nur Einzelne, denen es gelungen ist, unter schweren Entbehrungen den Grundstein zu einer selbständigen Existenz zu legen. Es gibt andere* die mit fremder Hilfe zu Zwergwirtschaften gelangen, die ihnen einen Schein von Selbständigkeit geben — uad auf denen sie dann gewöhnlich schlechter daran sind, als ein Tagelöhner. Für die meisten gibt es nur einen Weg zu einem menschenwürdigen. Dasein zu kommen: sich in Gruppen zusammenzuschliessen, Das ist der gedankliche Unterbau, auf dem die Organisationen der Arbeiter stehen. Sie übernehmen die ersten Schritte zur Ansiedlung, wie Verhandlungen mit dem K. K. L., Auswahl und Uebernahme des Bodens, Meliorationen, Bewässerungsanlagen, Anlagen von Baumschulen für den Pardess,] die (Obstplantage) u. s. w.; wobei bemerkt werden soll, dass die Frage der späteren Organisation der Siedlung — ob Kwuzah oder Moschaw — (d. h. dauernde Gemeinschaftssiedlting oder Familiensiedlung auf Grund der Eigenarbeit) — durchaus offen bleiben kanu und soll. Die ökonomischen Vorteile dieser d':ui« sind gewiss nicht zu unterschätzen. Und nicht weniger wichtig siud sie für die geistige Entwicklung der Siedlung, die sich daraus ergibt, dass ein einheitliches Siedlermaterial sich zusammen findet, wodurch ein geistiges Leben ermöglicht wird, während in den matrio mit zufällig zusammengewürfelten Elementen nie ein gemeinsames Geistesleben entstehen kann. Aus all diesen Gründen erscheint uns eine solche Organisierung der aus Rodges kommenden Chaluzim der gegebene Weg, um das hier begonnene Werk in Palästina fortzuführen. Die Initiative dazu muss selbstverständlich und wird auch von unseren Menschen ausgehen, aber die Mittel zu beschaffen, die für die Ausführung des Planes notwendig sind, muss Aufgabe des deutschen Misrachi sein. Es bleibt uns nun noch, den Plan einer solchen Siedlung aufzuzeigen. Wir möchten aber vorher betonen, dass es sich vorläufig nur um ein Schema handeln kann, so lange kein konkretes Objekt vorhanden ist. Dieses Schema muss sich allerdings auf hinreichend sichere Unterlagen stützen können. Die Grundgedanken dieses Siedlungsplanes sind die folgenden: 1. Die von der Gruppe gemeinsam aufzubauenden Wirtschaften müssen so beschaffen sein, dass sie unter normalen Verhältnissen ein ausreichendes Einkommen tür Familien von (5 Köpfen) sichern und von diesen bearbeitet werden können. 2 Die Wirtschaften müssen so aufgebaut werden, dass bei Uebername der Wirtschaft durch den Siedler das Existenzminimum vorhanden ist lind darüber hinaus für den Siedler die Möglichkeit besteht, seine Wirtschaft weiter auszubauen. An sich erscheinen die.se Grundsätze selbstverständlich, vor allem, was den ersten derselben anbetrifft. Es ist aber Tatsache, dass bei vielen Aufstellungen, die für Siedlungen gemacht worden sind, vieljzu günstige Voraussetzungen angeenommen wurden, sei es, dass man ein 100° 0iges Gelingen aller Wirtschaftszweige, sei es, dass man günstige Konjunkturen als Dauerzustände annahm. Und in noch grösserem Umfange hat man die Frage nach der Möglichkeit, die Kinder zu erziehen und später einen Beruf lernen zu lassen, ausser Acht gelassen. Der zweite Grundsatz ist deshalb wichtig, weil einmal der Unterhalt der Siedler, bis sie sich aus dem Ertrag der Wirtschaft erhalten können, ganz unproduktiv grosse Summen verschlingt. Wie die Erfahrung hier gezeigt hat, sind viele Siedler schon hieran gescheitert. Ausserdem wird aber hierdurch das Stadium des Herumexperimentierens stark abgekürzt. Die Siedler vei fügen dann bei Beginn ihrer Arbeit schon über ein gewisses Minimum an Erfahrung in Bezug auf Boden, spezielle klimatische und vielleicht auch schon wirtschaftliche Verhältnisse der betr. Gegend. Und schliesslich ist es psychologisch eine nicht ' zu unterschätzende Erleichterung, wenn der Siedler sofort mit produktiver Arbeit beginnen kann. Andererseits wäre es falsch, dem Siedler eine völlig eingerichtete Wirtschaft zu übergeben. Jeder einzelne hat spezielle Kenntnisse und Neigungen, denen entsprechend er seine Wirtschaft einrichten muss; und es wäre eine unnötige Kraftverschwendung, wollte man dem Siedler ein gewisses Schema aufzwingen oder ihn nötigen eine fertige Wirtschaft seinen Wünschen entsprechend wieder abzuändern.

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