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Zion · 1929-02-01 · 2 (2.1929) · p. Seite 16

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Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
2 (2.1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 16 (sequence 6)
Language
German
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Seite 16 Z I 0 N Nr. 2 misrachistischer Gemeindeführung in traditionstreuem and volkstreuem Geiste durchzusetzen ist, darüber wird der Delegiertentag Richtlinien aufzustellen haben. Judentum als Religion und Staatsverfassung. Von Dr. J. Gr.ünfeld, Würzburg. (Fortsetzung"! In der Sprache der modernen Kulturphilosophie gesprochen: Judentum ist transzendente Beziehung plus soziale Garantie. Diese rätselhafte Synthese zwischen beiden sonst divergierenden Elementen, diese „Vereinigung des Unvereinbaren" (um mit einem variierten Ausdruck von Max Brod zu reden) macht das ganze Geheimnis des Judentum aus/). Daher die Durchdringung, die organische Verschmelzung zwischen Religion und Gesellschaft im Judentum. Das Christentum zerriss diese Synthese, liess die Halacha, das gemeinschaftsgestaltende Gesetz weg und musste so den Einfluss auf die Gesellschaft verlieren, wirklichkeitsfremd werden. Auch dem Judentum ist die Beziehung des Individuums zum gütlichen Urwesen unendlich wichtig: dem Christentum ist sie aber Endziel, dem Judentum Beginn, a priori einer Forderung, nämlich der Forderung nach Gestaltung der Gemeinschaft im Sinne des g'ttlichen Gesetzes, nach Aufbau der Theokratie, des G'ttesstaates. Nicht Erkenntnis G'ttes ist das Letzte, sondern Verwirklichung des g'ttlichen Prinzipes in der Gesellschaft: enpa trnpn tu" „Der heilige G'tt will geheiligt sein durch Gerechtigkeit". Gerechtigkeit aber hat nichts mit Individualem und Transzendentem zu tun, sondarn ist das Prinzip, nach dem sich eine Gemeinschaft aufbauen soll. Freilich: die Erkenntnis G'ttes, jenes Individuellste aller Religion wird auch im Judentum dem Einzelnen zur Pflicht gemacht. Die weitere Forderung aber ist das normentsprechende, gesetzestreue Leben J) Die Kritik Max Brod's (Heidentum, Christentum, Judentum I. Bd., S. 117ff.) an der „falschen Lehre, dass im Judentum nur die sozial-reformerischen Seelentriebe Auswirkung finden können", trifft die hier vor getragene Auffassung nicht, die ja das Transzendente berücksichtigt. Auf der anderen Seite hat unsere Formulierung nicht das Geringste mit der sogenannten „0 r t h o p r a x i e" zu tun. Zwar gibt es kein unter diesem Namen vorgetragenes System vom Wesen des Judentums. Wir haben daher auch im Text garnicht Stellung zu dieser Erscheinung genommen. Andererseits begegnet man doch immer wieder Einzelpersönlichkeiten, die der Auffassung huldigen, dass eine rein nationale Fundierung des jüdischen Gesetzes genüge. Gerade weil in unserer Darstellung der Gesetzescharakter des Judentums scharf hervorgehoben wurde, soll hier audrücklich nochmals betont werden, dass uns das G e 11 u n g s p r i n z i p der Normen (im rechtsphilosophischen Sinn) als durchaus religiös erscheint. des Einzelnen, die dritte: soziale Gerechtigkeit im Leben der Gesellschaft. Erst wenn diese drei Postulat e erfüllt sind, religiöse Erkenntnis, normentsprechendes gesetzestreues Leben des Einzelnen, soziale Gerechtigkeit im Leben der Gesellschaft, erst dann ist das Judentums das, was es sein will, Religion plus soziale Garantie, d. h. Beherrscher des gesamten Menschenlebens. Wir müssen uns nun, um die weltanschaulichen Grundlagen der Verfassung des G'ttesstaates zu skizzieren, diesen drei Postulaten etwas mehr zuwenden. Zunächst der Erkenntnis G'ttes. Nicht metaphysischer Spekulation des Einzelnen ist sie überlassen, sondern historischem Rückblick auf das Schicksal der Nation. Insofern, aber auch nur insofern, kann maD von einem jüdischen „Nationalg'tt" sprechen: Die Geschichte der jüdischen Nation ist der Weg, um zur Ueberzeugung von der Existenz G'ttes zu gelangen. Die sog. „G'ttesbeweise" der mittelalterlichen Philosophie (auch der jüdischen zum Teil) sind daher ganz unjüdisch. Mit Jehuda Halevy sind wir der Meinung, dass das Wiedererleben der Volkshistorie durch das jüdische Individuum den organischen Weg darstellt, zur Erlangung der Ueberzeugung von der Richtigkeit der jüdischen Grundlehren, (Wir sagen bewusst Ueberzeugung und nicht Beweis, den gibt es nicht). „Ich bin der Ewige, Dein G'tt, der Dich aus Aegyptens Lande führte", — Ihr kennt mich ja aus Eurer eigenen Erfahrung! Auch pädagogisch wird dieser historische, auf der geschichtlichen Erfahrung der Nation beruhende Hinweis auf G'tt von der Thora empfohlen — für jedes Geschlecht, denn jedes Geschlecht ist ja aus Aegypten gezogen. „Wenn Dich Dein Sohn in aller Zukunft fragt . . . ., so antworte Deinem Sohne, Sklaven waren wir dem Pharaoh in Aegypten und uns führte er heraus von dort, uns das Land zu geben, das er unseren Vätern zuschwor". Das „Land" ist das winkende Ziel. Nicht um des Landes selbst willen — die Erkenntnis des G'ttes der jüdischen Geschichte führt hin zum Autbau des G'ttesstaates auf der Basis von Recht und Gerechtigkeit. Liegt in dem »jk cnp vnn o»»np die Aufforderung, G'ttes Eigenschaften nachzueifern, liegt ferner die rwnp G'ttes in der npns (mpa wmn b»m npixa), so ist ganz natürlich, dass Abraham, dem grossen Ahn und Vorbild des Volkes, als besondere Auszeichnung das g'ttliche Lob zuteil wird, vnjn» '3 nwj?S 'n -pn natn mn« itva n«i vaa n« ms» jyaS BBB'DinpiX. Die Idee des gerechten G'ttes wird geradezu ein kausales Prinzip für die Erklärung alles Weltgeschehens. 2) Für die Welt des Seins ist uns das Kausalitätsgesetz zu einem unentbehrlichen Erklärungsprinzip 2) Vgl. Jacobus, S. 188, 142 ff.

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