Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 15 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Z I 0 N Seite 15 neue Statut ihre Verpflichtungen der Organisation gegenüber stärker ins Bewusstsein rücken. Ein jeder Misrachist muss wissen, dass die Organisation berechtigt iat, Forderungen in pekuniärer und ideeller Rieh tung zu stellen, denen jeder nachkommen muss. Selbstgegebene, freiwillig übernommene Pflichten, Gesetze sind strenger noch einzuhalten, als Zwangsgesetze und zwangsweise auf einem liegende Pflichten. Der Leipziger Delegiertentag kann ein Markstein werden in der Geschichte des deutschen Misrachi. Es liegt in der Hand der Gruppen, die ihn beschicken und der Delegierten, die vom Vertrauen ihrer Gruppe entsandt werden, die Chancen, die diese Tagung uns bietet, voll auszunutzen. Wir brauchen Delegierte mit Verantwortungsgefühl der allgemeinen zionistischen Sache gegenüber. Wir hoffen, nur solche Delegierte in Leipzig, diese aber in grosser Zahl, begrussen zu können. Der Monat. Aus den Berichten der Zionistischen Exekutive ist zu ersehen, dass die Vorarbeiten für die Jewish Agency ohne Unterbrechung überall weitergeführt werden. Auch wer nur die allgemeine jüdische Presse der einzelnen Länder verfolgt, bemerkt, dass die mit der Agency zusammenhängenden Fragen mit besonderem Interesse diskutiert werden. Man gewinnt dabei den Eindruck, dass bei den meisten Gruppen noch keine feste Stellungnahme zu der Frage genommen worden ist, und so kann es'nicht Wunder nehmen, dass häufig von verschiedenen Angehörigen der gleichen Organisationen durchaus voneinander abweichende Stellungnahmen ausgesprochen werden. Es ist klar, dass in liberalen Zeitschriften innerhalb und ausserhalb Deutschlands sehr viel über die Worte „nationale Heimstätte" und „Jüdisches Volk' gesprochen wird, die in der Balfour-Deklaration offiziell gebraucht werden und an denen von liberaler Seite grundsätzlich Anstoss genommen wird. Dennoch ist eine ganze Reihe von Liberalen bereit, an und in der Agency zum Zwecke des Aufbaues Erez-Israels Anteil zu nehmen. Interessant ist, dass der nationale Charakter des jüdischen Erez-Israels auch von denen nicht bestritten wird, die im allgemeinen den Nationalbegriff als Kriterium der Judenheit scharf ablehnen. In der „Jüdisch-liberalen Zeitung" allerdings lesen wir eine Reihe von Betrachtungen, die den Gedanken des Aufbaues hintan setzen und sich in die Toga ihres liberalen Dogmatismus hüllen. Wie weit aber die Zeitung ein Spiegelbild der Anschauungen führender liberaler Kreise darstellt, ist noch nicht festzustellen, denn die Tatsache bleibt bestehen, dass die geistigen Führer des Liberalismus auch in Deutschland wesentlich bereitwilliger zu gemeinsamer Arbeit innerhalb der Agency sind. Von der Gegenseite, den orthodoxen und konservativen Gruppen in Deutschland, ist ebenfalls, soweit wir sehen, noch kein Standpunkt präzisiert worden (lediglich das „Jüdische Wochenblatt" hat einige Artikel seines Redakteurs Moritz A. Loeb gebracht, die aber sicherlich keineswegs als gemeinsame Anschauung des konservativen Judentums in Deutschland zu werten sind). * Unsere Leser sehen ans den Bekanntmachungen in diesen Blättern, dass der ausserordentliche Delegiertentag des deutschen Misrachi sich u. a. auch mit dem Thema „Gemeindepolitik" beschäftigen wird. Deshalb soll erst eine der folgenden Nummern unserer Zeitschrift grundsätztich diese Frage behandeln. Aber eine Berliner Angelegenheit muss wegen des erheblichen Lärms, der um sie entstanden ist, doch vorweg herausgegriffen werden. Ein Bündnis zwischen Zionisten und Liberalen soll da geschlossen worden sein, bei dem beide Parteien ihre Prinzipien geopfert haben und als Sühnopfer von den Zionisten eine konservative Schule dargebracht sei, Konzessionen an die Reformgemeinde und neue Reformen für die neue Synagoge in der Prinzregentenstrasse in Aussicht gestellt worden seien. Trotz aller Bedenken, die auch in unseren Kreisen gegen Form und Inhalt der Besprechungen zwischen Volkspartei und Lib; ralen bestehen, sollen doch folgende Punkte klargestellt werden. 1) Einen Grund zur Kritik hat niemand, der seinerseits früher sehr weitgehende Wahlbündnisse, mit den Liberalen gegen die ungleich traditionstreuere Volkspartei geschlossen hat. 2) Die Uebernahma nur einer Schule im Norden Berlins durch die Gemeinde war möglich. Dass dabei die Volksschule Rykestrasse mit 300 Schülern der Grundschule Kneseth Jisroel mit nur 50 Schülern vorgezogen wurde, hat nichts mit einem Pakt zu tun. Beide Anstalten sind von Kindern aus gleichem Milieu besucht worden und auch die übernommene Volksschule wird konservativ geführt. 3) Bezüglich der Reform lag eine Jahre lang zurückliegende Verpflichtung der Gemeinde vor, ihr beim Austausch ihres Grundstückes gegen eines im Westen behilflich zu sein. 4) Was das Zusammensitzen von Männern und . Frauen in der Synagoge Prinzregentenstrasse betrifft, so hat natürlich kein Mitglied der Volkspartei in Aussicht "gestellt, [mit ja zu stimmen, oder zur Annahme eines solchen Antrages zu verhelfen. Ebenso ist das Gutachten der liberalen Rabbiner negativ ausgefallen. Diese Feststellungen sollen nur, was uns bei der Art des Angriffs notwendig erschien, der Bereinigung des Kampfes dienen, nicht materiell die Frage der Arbeit in den Gemeinden behandeln. Wie das Prinzip