Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Z I 0 N Nr. 1 Staatsverfassung, dieses Rechtssystemc, die auf dem g'ttlichen Ursprünge seiner Normen beruhende Verpflichtnngskraft, nicht übersehen, Judentum ist eben Agada und Halacha. Agada, der nichtgesetzliche Teil der Thora ist Religion, also individuell und transzendent, Halacha, der gesetzliche Teil der Thora, ist gemeinschaftsgestaltendes Gesetz, also überindividuell and immanent18). (Fortsetzung im nächsten Heft) Nehemias Anton Nobel Versuch einer Würdigung von Oskar Wolfsberg. Besprochen von Dr. Armin Blau, Hamburg *). Es ist ein rührendes Denkmal des Schülers, Zeitgenossen und gleichstrebenden Freundes für den verewigten Meister, das hier vorliegt. Es ist ein rührendes Beginnen, wie Oskar Wolfsberg, der streng rational Eingestellte, kritisch Sondierende, hier einer rein auf das Enthusiastische gestellten Natur und Persönlichkeit gerecht zu werden strebt, wie der Verfasser sich selbst an dem Feuer des verewigten Freundes entzündet und stellenweise sogar ihm sonst fremde Höhenflüge künstlerisch dichterischen Ausdrucks erreicht. Wir sagen mit Bedacht „stellenweise", denn sonst ist dieser ersten Monographie unseres N. A. Nobel ^"i nichts .wesensferner als Pathetik und zeitgeborener Superlativismus oder schon immer beliebt gewesene Lobesspende des pED. Was Wolfsberg möchte, das ist: Das Ewige herausheben aus dem Vergänglichen in N. A. Nobels Persönlichkeit, das wunderbar Einmalige und Bleibende herausstellen aus der zeitgebundenen Erscheinung eines so früh und leider so unvollendet Dahingeschiedenen. Die Hauptschwierigkeit für den Biographen N. A. Nobels lag in dem Torsohaften seines Lebens und Schaffens. Denn Nobels Wirksamkeit, der Wesenskern seines Wissens und seiner reichen Begabangen haben ihren Niederschlag weniger in abgeschlossenen systematischen Werken gefunden, als im unmittelbaren Wirken auf seine Gegenwart und Mitwelt. Grosse Personen zahlen ihren Tribut an ihre Zeit selten mit dem, was sie geben, sondern mit dem was sie sind. Auch von Nobels Schaffen, wie von dem manches 13) Natürlich sind hier „immanent" und „transzendent* nicht als Termini der Erkenntnistheorie, sondern der Ethik zu verstehen. Eine ähnliche Verwendung etwa bei Spanger, Lebensformen S. 214. *) Nehemias Anton Nobel. Versuch einer Würdigung, von Oskar Wolfsberg, — J. Kanffinan Verlag. Frankfurt a. M. — Preis: brosch. 8 EM. In Ganzleinen geb. 4,50 RM. — Zu beziehen durch den Buchhandel, sowie durch Zentral Büro des „Miarachi" in Deutschland, Berlin N 64 Weinmeister- Strasse IB. anderen Künstlers, gilt das Schillerwort: „Hier stirbt der Zauber mit dem Künstler ab". Das Gewinnende und Beglückende seiner Künstlerpersönlichkeit, das zauberhaft Magnetisierende seines geistigen Führertums, das Kosmisch-Universalistische seiner Bildung, das Schöpferisch - GedaDkengebärende seiner Beredsamkeit, — wer könnte all dies auf eine Formbringen? Wo sind die nachgelassenen Werke, die es bezeugen können? Aus dieser Not heraus, weil Nobels Lebenswerk kommenden Geschlechtern so wenig greifbar zu werden droht, weil sein Leben sein grösstes Kunstwerk gewesen, aus diesem Gefühl heraus istdiese Würdigung geschrieben. Wolfsbergs Werk selbst ist ein erster Versuch, ein künstlerisches Mosaik, eine vielseitige grundgescheite Studie, beileibe kein „Nachruf", kein Panegyrikus. Sie ist nicht einmal aus einem G.uss, ist auch nicht mit dem fortreissenden Schwung des Dichters geschrieben; sie ist vielmehr mit allem philosophischen Ernst und wissenschaftlichen Rüstzeug des Analytikers und feinsinnigen Sepienkenners geschrieben, der den feinsten Verzahnungen und Bindungen des bedeutenden Menschen liebevoll nachgeht nnd so ein Ganzes durch Teilung schafft, ja, mitunter durch die zwingende Schönheit der Darstellung Kongeniales nachschafft. Doch nur zu oft überschattet das wissenschaftlich Grübelnde das Dichterische. Es ist ein hoher Genu-s für den denkfreudigen Leser in Wolfsbergs klugwägenden Worten die einzigartige Kanzelberedsamkeit Nobels, das Charakteristisch-Neue seiner Homiletik (das allerdings dem Kenner der Werke seines Vaters, Rabbiner Josef Nobel S"T nicht so neu erscheinen dürfte), die klassische Synthese von attischem Humanismus mit jüdischer Gedankenwelt, die sich in N. A. Nobel vereinigte, besonders aber die wahrhaft schöpferische Begabung der Sprache, die dem Redner Nobel eignete, charakterisiert zu lesen. Vornehm, adlig bis zur letzten Zeile, hält Wolfsberg sich fern von jeder agressiven parteipolitischen Stellungnahme, zu der Thema und Objekt wohl gelockt hätte. Ein Kabinettstück wahrhaftwahrhaften Mannesmuts liefert Wolfsberg dort, wo er (S. 42 f) Nobels Stellung zur 0 f f enb ar ungsfrage formuliert. Hier sind des Verfassers Gedanken und Ansichten (die er aus Nobels Schriften ableitet) von geradezu grundsätzlicher Bedeutsamkeit für die jüdische Gesamtauffassung dessen, was als jüdisch-traditionstreu gelten soll. Ob seine Auffassung allseitige Zustimmung in jüdischen Lagern finden wird, möchten wir bezweifeln. Wer an feingeistigen Distinktionen Freude hat, wird an diesen und noch folgenden Seiten sein ästhetisches Vergnügen finden. Treffend und originell, sind auch die Ausführungen des Verfassers über Nobels Ansichten von den Beziehungen zwischen G e - setzesjndentum und Prophetie (S. 46f.);