Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 6 Z I 0 N Nr. 1 noch*1 und ihren mannigfachen Selbsthilferostitutionen. Äe ist die Gewerkschaft der Lehrer, welche der zionifltiuhen Exekutive unterstehen, also mit Einschluss der Misrachisten. Von ihren etwa 700 Mitgliedern ist ein reieUiches Drittel an Misrachischulen tätig: diese VerhBtniszahl gibt zugleich ein BUd des Anteils, den das religiöse Schulwerk innerhalb des zionistischen Netzes besitzt Es bleibt noch hinzuzufügen, dass neuerdings auch für die allgemeinen Schulen ein Ausschuss eingerichtet wurde, der religiöse Fragen zu behandeln und eine gewisse Uebereinstimmung in Sachen des religiösen Unterrichtes, der Wahrung der Formen usw. herzustellen hat; ihm gehören u. a. Oberrabbiner Aron. söhn und Frau Dr. Persitz, Tel-Aviv an; über das Ergebnis seiner Wirksamkeit lässt sich vorläufig noch nichts sagen, da seine Einsetzung erst vor Jahresfrist erfolgt ist. Diese äusseren Organisationsformen lassen bereits folgende innere Tatbestände erkennen. In Palästina gibt es eine Einheitsschule, d. h. es ist möglich, vom Hindergarten über die Volks- und Mittelschule direkt auf die hebräische Universität zu gelangen. Die Trennung in Standesschulen, die in Deutschland die gleichen Jahrgänge der mittleren und oberen Volksschalklassen von den unteren und mittleren Gymnasialklassen säuberlich scheidet, ist hier nicht vorhanden. Wo ausnahmsweise die Mittelschulen eigene Volksschul- oder sogar Vorschulklassec haben (wie z. B. die Haifaer Realschule), ist trotzdem der prüfungslose Uebergang nach Beendigung einer achtklassigen hebräischen Volksschule in die viertletzte Klasse der Mittelschule ohne weiteres möglich. Da auf allen Volksschulen, mindestens dem Lehrplan nach, auch Englisch gelernt wird, ist der Uebergang von ihnen auf die Mittelschule auch lehrplantechnisch ohne weiteres möglich. Dieser organisatorischen and gesellschaftlichen Einheit entspricht aber auf der anderen Seite eine grosse Mannigfaltigkeit der Schaltypen nach kultureller und religiöser Gestaltung. Die Misrachi-Schulen suchen das Prinzip der Verbindung zwischen Thora und allgemeiner Bildung durchzuführen; von ihnen und ihrem Lehrplan wird in diesen Blättern noch so speziell die Bede sein, daBS für jetzt diese Andeutung genügt* Selbstverständlich gibt es zwischen den einzelnen Anstalten mancherlei Abweichungen, wenn auch kaum so starke wie bei den allgemeinen Schulen. Diese sind, soweit sie Volksschulen sind, z. B. in ihrer religiösen Haltung stark davon beeinflusst, ob sie etwa auf dem Lande oder in Jerusalem, und weiterhin, ob in der Altstadt Jerusalems oder einem der neuen Viertel gelegen sind. Auch persönliche Momente, Richtung der Direktoren usw., spielen eine Rolle. Als die am weitesten rechts stehende allgemeine Volksschale darf die „ Tachkemoni - Schale " in Jerusalem bezeichnet Werden, eine Gründung des Misrachi, die noch heute im wesentlichen an seinem Lehrplan festhält, sich aber zum Teil aus Gründen, welche die Zusammensetzung des Lehrkörpers betreffen, später der allgemeinen Aufsicht unterstellt hat1). Von den Mittelschulen macht die Haifaer Realschule Versuche, durch Schulgottesdienst usw., sowie durch starke Betonung der dem Mittelalter entstammenden Bildungsstoffe im Unterricht zu einer Art hebräischen Humanismus und seinen religiös praktischen Auswirkungen zu gelangen. Auch in den ländlichen Schulgemeinden Scbfeja and Ben Schemen sind, neben entgegengesetzten, derartige Versuche im Gange. Aber unter der gleichen Schalverwaltung gibt es auch religiös ganz links stehende Anstalten, wofür die jüngsten Zwischenfälle in Sichron Jaakow Material geliefert haben. Doch nicht nur, was die religiöse Einstellung betrifft, gibt es Unterschiede im Typ der allgemeinen Schulen. Bei den Mittelschulen ist z. B. das Vorbild des rassischen Gymnasiums vorherrschend, mit Ausnahme Haifas, das mehr einer deutschen Oberrealschule, neuerdiDgs mit stark englischem und jüdischhumanistischem Einschlage, gleicht. Die Lehrer-Seminare wiederum ähneln dem alten prenssischen Seminar Herbarth'schen Typs, wenn ihnen auch das Internat fehlt. Und noch mehr Typen, auch hier bis zu den allermodernsten fortschreitend, Hessen sich in diesem allgemeinen Ueberblick aufzeichnen Doch auch auf sie soll noch spezieller und mit Beispielen in den folgenden Heften eingegangen sein. Für heute seien noch zwei Fragen erwähnt, ohne die auch eine wesentlich organisatorisch orientierte Uebersicht unvollständig wäre: die des Schulgeldes und die der Lehrerbe&oldung. Die Höhe des Schulgeldes schwankt; d. h. es gibt mannigfache Abstufungen, je nach der sozialen Lage der Eltern, bis zur völligen Befreiung. Grundsätzlich aber soll Schulgeld erhoben werden, und zwar auch an den Volksschulen. Das mag zunächst befremdend wirken, angesichts der Tatsache, dass selbst in Deutschland die Volksschubildung frei ist, und dass in den sonst so antipodischen Ländern Russland und Amerika der gesamte Unterricht bis hinauf zur Universität unentgeltlich geboten wird. In der Tat ruft diese Frage auch immer wieder neue Diskussionen in Palästina selbst hervor, so erst jüngst in der Tel Aviver Stadtverwaltung. Es scheint aber doch, dass man in Palästina auf diese Forderung zunächst nicht verzichten kann; nicht nur deshalb, weil sie von der schweren materiellen Lage der Schulen, die meist ohne ausreichende Lehier , Schüler- und Unterstützungs iSchulbücher-jBibliothek, sowie ausreichende geographische, historische und naturwissenschaftliche Lehrmittel dastehen, gebieterisch J) Es handelt sich bei dieser Schule um eine in der Reihe des gesamten Tachkemoni-Schulwerkes entstandene Anstalt, nicht etwa um das allgemein in Deutschland als «die Tachkemonischule" empfundene Tel-Aviver Institut. Anmerk. d. Red.