Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Z I 0 N Seite 5 (iischen ein, von denen wiederum Tnach and Hebräisch beherrschend im Mittelpunkt stehen, alles aus dem Mittelalter stammende aber völlig zurücktritt. Bezeichnend für die durchaus bewuaste Richtung dieses Systems ist die Aeusserang eines seiner Träger bei einer Tel- Aviver Lehrerkonferenz: „Wie unsere Väter uns in den Mizwoth erzogen und an sie gewöhnt haben, so müssen wir die neue Generation an die sozialen Pfichten und au das Leben in der Arbeitergemeinschaft gewöhnen." Das eine ist an die Stelle des anderen getreten: Der „Arbeitsunterricht", d. h. die geistige und körperliche Selbstarbeit der Schüler, sucht eine neue, völlig veränderte Kulturbasis zu schatten. Und nun haben wir leider die traurige Tatsache zu erwähnen, dass sich auch in den Schalen der ver. schiedenen Missionen, insbesondere in Jerusalem, eine nicht ganz unbedeutende Anzahl von jüdischen Kindern befindet. Es sind mehr Mädchen als Knaben, und sie rekrutieren sich grösstenteils aus den ortodoxesten Schichten der Jerusalemer Altstadt. Die Gründe hierfür hängen mit der bekannten Gleichgültigkeit der Ortodoxie alten Schlages gegenüber der Mädchenbildung zusammen und andererseits mit der furchtbaren materiellen Situation gerade dieser.Schichten, die ihnen die Schulgeldfreiheit der Missionsschulen besonders verlockend erscheinen lässt. Man darf sich auch nicht vorstellen, dass alle Kinder oder auch nur ein erheblicher Teil von denen, die in die Missionsschulen gehen, bei der Taufe endigen; dieser Prozentsatz ist im Gegenteil äusserst gering. Selbst auf die Sabbathheiligung p(legen die Missionare und Lehrer Rücksicht zu nehmen. Trotz allem ist die Gefahr natürlich sehr gross; ihre dauernde Vergegenwärtigung hindert das zionistische Erziehungsdepartement, zumal in Jerusalem, an einer so "energischen Schulgeld - Politik, wie sie finanziell notwendig und moralisch wünschenswert wäre. In die „Regierungsschulen" gehen nur eine verschwindend geringe Anzahl jüdischer Kinder, and diese meist wohl aus einigermassen zwingenden örtlichen Gründen. Bekanntlich gibt es in Palästina ausschliesslich arabische Regierungsschulen, die sich wiederum in moslemische, christliche und gemischte teilen,. und deren Budget ausschliesslich von der Regierung getragen wird. Die zionistischen Schulen erhalten lediglich eine Subvention der Regierung, die früher sehr gering war und auch heute — mit etwa Pfd. 20000 jährlich — nur dem jüdischen Bevölkerungsanteil, nicht dem Prozentsatz der jüdischen Schüler im Vergleich zu den arabischen, entspricht. Schon jetzt ist der Einfluss der Regierung auf die jüdischen Schulen proportional mit der Erhöhung der Subvention gewachsen: beim Erziehungs-Departement der Regierung befindet sich eine Abteilung für die Inspektion der jüdischen Schulen die vor etwa einem halben Jahre einen zum Teil recht kritischen Bericht herausgegeben hat. Inabesondere wurde die »zu kontinentale" Einstellung getadelt; ferner das Ueberwiegen des Tnach-Unterrichtes, das Fehlen wissenschaftlich kritischer Einstellung der Bibel gegenüber, zu geringe Pflege des Englischen, vergleichsweise unsystematische Arbeit. Auch die Ueber-Organisation, die beispielsweise im Bestehen von vier Lehrerbezw. Lehrerinnen-Seminaren sich ausdrücke, kam zur Sprache. Ein neuerer Gesetzentwurf für das Erziehungswesen, der freilich auf heftigen Widerspruch der jüdischen öffentlichen Meinung gestossen ist, sah noch erweiterte Rechte der Regierungs Inspektion und ein stärkeres Zurückdrängen des zionistischen Erziehungs-Departements und meiner Aufsichtsbehörden vor. Die noch schwebenden Verhandlungen über die endgültige Fassung des Gesetzes werden vermutlich ein gewisses Gleichgewicht zwischen zionistischer und Regierungs-Aufsicht ergeben. Mit den letzten Bemerkungen stehen wir schon mitten in der Darstellung derjenigen Schultypen, die der unmittelbaren Leitung der zionistischen Exekutive, bezw. ihres Erziehungs-Departements unterstehen. Es gibt hier folgende Instanzen: 1) Das Erziehungs Departement, dem ein Mitglied der zionistischen Exekutive vorsteht (z. Zt. Miss Szold), und das von einem Direktor (z. Zt. Dr. Berkson) verwaltet wird. Es hat die administrative Oberleitung aller Schulen, die Entscheidung über Anstellungen und Kündigungen; neuerdings ist bei ihm auch die Schulgeldeinziehung zentralisiert, die bisher den einzelnen Direktoren überlassen war. Eine der Hauptaufgaben des Erziehungs-Departements ist auch die Verhandlungsführung mit den einzelnen Instanzen des Jischuw, den Verwaltungen von Tel-Aviv, der Kolonien u. s. w. über ihren Anteil an der finanziellen Erhaltung der Schulen. 2) Der Waad Hachinuch (Erziehuugs-Beirat), der aus Vertretern der Exekutive, der Lehrerschaft und des Jischuw besteht, der bisher eine Art parlamentarischer üeberwachungsausschuss mit Beächlassrechten war, neuerdings aber — gegen seinen heitigen Widerspruch — zu einer rein beratenden Körperschaft herabgedrückt werden soll. 3j Der Waad Hamefakeach (Inspektion-Ausschusa) der Misrachi-Schulen und der (neugegriindete) Waad Hamefakeach der allgemeinen Schulen. Die beiden Körperschaften fungieren gleichzeitig ab Unterausschüsse des Waad Hachinuch, haben in allen pädagogischen Fragen (z. B. Lehrplangestaltung, Entlassung von Lehrern aus pädagogischen Gründen usw.) vollkommene Autonomie, unterstehen aber üaanziell und organisatorisch dem beiden Richtungen gemeinsamen Waad Hachinuch. Zu diesen drei Organen tritt noch eine zwar freiwillige, aber deshalb nicht minder wesentliche und einflussreiche Institution: die „Allgemeine Lehrer-Organisation", mit ihrer Zweiwochenschrift „Hed Hachi-