Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Z I 0 N Nr. 1 Wasserman, von Erez-Israel zurückgekehrt, fand das Wort: „Was wir Wer tun, ist Politik, was die drüben schaffen, ist Geschichte". Dies muss der Geist sein, der die Agency beherrscht, wenn 6ie politische Vertreterin eines national home sein will. Zur Organisation des Schulwesens in Palästina. Von Dr. Ernst Simon, Jerutalem Die Leser dieser neuen Zeitschrift sollen in Zukunft Gelegenheit erhalten, sich in besonders detaillierter Weise über die palästinensische Wiiklichkeit orientieren zu können. Dabei soll eine timfassende Information über das Schulwesen nicht in letzter Reihe stehen: Bowobl pädagogische Einzelprobleme, wie auch Berichte über einzelne besonders typische Anstalten, sind vorgesehen. Um all diese Züge in ein Gesamtbild einordnen zu können, bedarf der Leser jedoch eines nmfassenden Rahmens, den ihm die folgenden Ausführungen zu geben versuchen werden, ohne allerdings, was in der Natur der Aufgabe liegt, auf Bekanntes und schon wiederholt Vorgetragenes dabei verzichten zu können. Es gibt heute ungefähr 25000 jüdische Kinder im Lande, davon unterstehen etwa 20000 der Aufsicht der zionistischen Organisation. Die übrigen 5000 verteilen eich an unabhängige Talmud-Thora-Schulen, an die Volksschulen der Agudath-Jisrael, an die von der „Kulturkommission" — WaadathHatarbuth — der Arbeiter-Organisation unterhaltenen Schulen, auf Missionsschulen und auf die Regierungsschulen. Nehmen wir die kurze Kennzeichnung dieser fünf Schultypen vorweg, um dann für die Schilderung der Hauptmasse der jüdischen Anstalten freie Bahn zu haben. Die meisten der Talmud-Thoraschulen, zu denen auch die Waisenhäuser zn rechnen sind, sowie die unter der direkten Aufsicht der Agudath-Jisrael stehenden Schulen, setzen dasjenige Prinzip fort, das die europäische Ortodoxie, auch in ihren separatistischen Teilen, beinahe gänzlich, vielleicht mit Ausnahme einiger Gegenden Ungarns, aufgegeben haben dürfte: die schroffste Absperrung gegen jede europäische Kultur, zu der in Palästina auch die Pflege des lebendigen Hebräisch rechnet. Diese Kreise halten sich noch heute an einen „Cherem" gebunden, der vor Jahrzehnten seitens aschkenasischer Rabbiner — die Sephardim haben sich niemals angeschlossen — gegen die modernen Schulen gerichtet wurde. In ihren Unterrichtsanstalten werden demgemäss in der Hauptsache rein jüdische Fächer betrieben, und zwar in jiddischer Sprache und nach der alten Cheder-Methode, die zwar zeitraubend, aber andererseits ziemlich weitgehend individualisierend ist und in der Hand verständiger Lebrer auch heute noch mancherlei Erfolge bringen kann. Daneben tritt die einfache Elementarbildung, vor allem Rechnen, doch verstehen diese Kreise selbstverständlich alle Hebräisch und sprechen es grösstenteils heute auch schon in der Praxis: es war ein interessantes Sympton, dass auf der letzten grossen Jerusalemer Agudo-Konferenz die Verhandlungssprache im wesentlichen hebräisch war, und zwar auf den ausdrücklichen Wunsch der sephardischen Teilnehmer, die natürlich kein Jiddisch verstehen. Auch die offizielle Zeitung der palästinensischen Landesorganisation „Agudath Jisrael", der „Kol Jisrael" (Mit Kuph durchaus nicht mit Kaph!), der sich im übrigen eines mehr als scharfen Tones befleissigt, erscheint natürlich in hebräischer Sprache: im ganzen Lande erscheint überhaupt keine jiddische Zeitung mehr. All das wirkt auf das Schulwesen zurück und wird es allmählich immer weiter hebraisieren und schon dadurch auch modernisieren. Bereits jetzt beginnen die Grenzen an manchen Stellen zu verschwimmen: so untersteht die grösste Jerusalemer Jeschiwah „Ez Chajim" dem Oberrabbinat von Raw Kuck, wird aber von einem der religionspolitisch rechts stehenden Jerusalemer Gaonim, Raw Melzer, geleitet. Man darf hoffen, dass solche Ueberschneidüngen allmählich auch zu inneren Bindungen führen, wenn sich erst einmal die rein politischen Gegensätze ein wenig gelegt haben werden. Den durchaus entgegengesetzten Schultyp vertreten die Anstalten der „Waadath Hatarbuth", die von der Arbeiter Organisation erhalten und von dem Erziehungs-Departement der zionistischen Organisation nur unterstützt, nicht aber beaufsichtigt werden. Diese Schulen, die meist in Kwuzoth und Moschawe Owdim ihren Sitz haben, von denen eine, das „Erziehungshaus für arbeitende Kinder" aber in Tel-Aviv arbeitet, versuchen, die allerfortgeschrittensten Methoden der europäischen Pädagogik auf Palästina anzuwenden. Ihr Erziehungsziel ist vor allem, die Kinder und jungen Leute in den Produktionsprozess der körperlichen Arbeit möglichst frühzeitig hineinzustellen, um sie, ohne künstliche Berufsumschichtung, dem werktätigen Aufbau des Landes zu gewinnen. Infolgedessen spielen körperliche Fertigkeiten und Uebungen mindestens die gleiche Rolle wie intellektuelle Kenntnisse und bestimmter Wissensstoff; sehr weitgehend wird, besonders auf dem Lande, die Gemeinschaft der Erwachsenen selbst, als Vorbild oder als Lehrer, zur Erziehung herangezogen. Damit verbunden ist fast völliger Verzicht auf Autorität des Lehrers und äussere Disziplin seitens der Schüler; dies alles wird, möglichst früh zeitig, der Selbstverwaltung der Jugendlichen und ihrer in der Gemeinschaft sich schulenden guten Einsicht überlassen. Das Religiöse tritt in diesen Schulen beinahe völlig in den Hintergrund; wo es, in Wort oder Uebung, berührt wird, erscheint es fast immer zum Volksbrauch säkularisiert. Nichtjüdische Fächer nehmen mindestens den gleichen Raum wie die jü-