Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3133276-3139346-3139347--0007-3139481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 1 Z I 0 N Seite 3 Smter in allen Ländern mit stärkerer jüdischer Bevölkerung geschaffen, Äusbildnngsstätten für die zur Cbaluziuth entschlossene Jugend errichtet und im Lande selbst umfangreiche kolonisatorische, wirtschaftliche und kulturelle Arbeit geleistet. Aber die Arbeit kann nicht dauernd auf den Schultern dieser einen zionistischen Organisation liegen. Nicht nur, weil es im § 4 des Mandats heisst: „dass Schritte unternommen werden sollen, um die Zusammenarbeit aller Juden herbeizuführen, die gewillt sind, bei der Errichtung des jüdischen Nationalheims zu helfen", sondern weil wir selbst natürlich wussten, dass ein Werk, unternommen für das jüdische Volk, werben muss, um die weitesten Kreise des Volkes zu Trägern des Werkes zu machen. Nur das Wie? war fraglich. Der Misrachi hat auf Kongressen und Aktions-Comit6- Sitzungen für die Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses für den Aufbau Erez-Israels gekämpft. Der Misrachi und seine Bundesgenossen unterlagen, weil die Arbeit für den Kongress zu wenig Widerhall fand, zumal sich auch die orthodoxen Kreise ablehnend verhielten. Wie weit man gekommen wäre, wenn die Executive diesem Gedanken mehr Förderung hätte angedeihen lassen, ist hier nicht zu untersuchen. Weizmann aber hatte von 1921 an den Plan der Erweiterung der Jewish Agency durch direkte Verbandlungen mit Energie ohne gleichen durchzusetzen gewusst. Nachdem die entscheidenden Marshall - Männer eine grössere Kommission ins Land gesandt und diese einen im wesentlichen stark positiven Bericht erstattet hatten, war auf der Sommertagung des Aktions Comites das Problem „Agency" zur Entscheidung reif und wir statuierten damals die Bedingungen, unter denen die amerikanischen Vorschlage annehmbar wären Sie betrafen in der Hauptsache Sicherheiten für die Unantastbarkeit des vom Nationalfonds gekauften und zu kaufenden Bodens, Selbstbestimmungsrecht der Siedler über die Form ihrer Siedlung und organisatorische Fragen. Da diese von den Amerikanern angenommen worden waren, war der Pakt geschlossen, und die Wintersitzung des Aktions-Comites hatte dieses zu notifizieren. Die Agency wird nun bekanntlich konstituiert, wenn in mindestens sechs Ländern die gemeinsamen Komites geschaffen sein werden. In Amerika ist dies geschehen, Palästina, England und eines der osteuropäischen Länder dürften bald folgen. Eine Schwierigkeit besteht natürlich dort, wo dieJudenheit der Länder keinerlei allgemeine Verbände haben. III. Wie reagieren unsere Nichtzionisten (diesen unschönen Ausdruck vorläufig beibehalten) auf den Bescbluss? Persönliche Fühlungnahme mit führenden Männern zeigt im allgemeinen ein erfreuliches Bild. Das Pro Palästina-Komite und das Keren-Hajessod- Direktorium haben ja auch schon, bevor die Agency in ihr heutiges Stadium trat, Proben aufs Exempel geliefert. Auf allen Kundgebungen des Keren Hajessod war zu spüren, wie stark die Arbeit für Erez-Israel auch die Männer beschwingte, die nicht schon in zionistischer Arbeit mit dem Aufbau-Werk verwachsen waren. Es war auch für sie nicht mehr eine humanitäre Tätigkeit für andere, sondern die Arbeit hatte schon die ergriffen, die sie taten. — Der Kreis derer, die auf diese Weise zu wertvollen Mitarbeitern werden, ist keineswegs erschöpft. Blickt man allerdings in jüdische Zeitungen, so sieht es anders aus. Hier fehlt es — von Ausnahmen abgesehen — noch völlig an grösseren Gesichtspunkten und Verständnis für das, was die Agency sein soll. Die Situation ist heute ähnlich wie sie war, als Herzl seinen Ruf ins Judentum sandte. Nur ein Unterschied ist wesentlich: Erez-Israel ist im Aufbau. Das bedeutet einmal: Du kannst nicht mehr von Utopien sprechen (der damals bedeutungsvollste Einwand!) und zweitens: ein Werk, auf das die politische Welt als auf die stärkste Emanation jüdischer Hingabe and Tatkraft blickt, wird gefährdet, wenn Du Dich ansschliesst. Und in dieser Situation hat die jüdische Journalistik in Deutschland noch immer häufig die Mentalität der Vorkriegszeit, der Prä-Balfour-Epoche, des Gespöttes und der Proteste. In der liberalen Zeitschrift verlangt der Redakteur — jetzt!— Abänderung des Mandats, Entternung der gefährlichen Worte „Jüdisches Volk", „nationale Heimstätte"! Also wie? Die Agency soll die politische Vertreterin des national home sein. Wir wollen mitarbeiten, aber es darf kein national home werden! Und wie? Wird das frisch pulsierende nationale Leben im Lande, das seine Kultur, seine Sprache, seine politischen Gremien schafft, sich um Beschlüsse von Gruppen kümmern, die so bettelarm an Judentum sind, ihnen gegenüber? Oder man gefällt sich in Spott über den Bankerott des Zionismus: Nur weil er in der ökonomischen Krise Palästinas nicht mehr aus noch ein wisse, strecke er jetzt bittend den Anderen die Hände entgegen. Ist nicht vielmehr die Arbeit zur Erweiterung der Agency aufgenommen worden, als Scharen von Einwanderern und als Kapitalien ins Land drängten? Für wen denn werben wir bei der Erweiterung der Agency? Für die Organisation? Für das Judenland, für aller Juden Land, für das Land, das erlöst, nunmehr wieder Heimat unseren Heimatlosen werden soll, nicht nur heimatlosen Menschen, sondern auch heimatlosen Judentums. Wird das Echo unseres Rufes wieder Abweisung, oder kalte Objektivität sein? Wir hoffen es nicht. Der führende Mann der amerikanischen Agency Gruppe war nicht Mitglied der zionistischen Organisation, unterschrieb sich jüngst „former Non-Zionist* Und