Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 283)
- Language
- German
- Belongs to
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286 „Ich wundere mich sehr", sagte er, „über euch Juden, daß während das Exil eure Weisheit vernichtet hat, es nicht auch euren Stolz vermindert hat. Warum schränkt ihr eure Neigung der Herrschaft gegenüber nicht ein und kleidet euch wie freie Leute, während ihr dienstbar seid? Ihr wißt ja gar wohl, daß der Stolz nur unter niedrigen Menschen gefunden wird." Hieraus der Jude-. „Dieser Umstand gerade veranlaßt den Stolz, indem der Niedrige sich durch prächtige Kleider zu erheben sucht, damit er nicht völlig sinke, und dazu noch, Herr, hüllen sich in prächtige Kleider ja nur die Jünglinge und die Frauen; bei Jünglingen und Frauen aber Verstand suchen, heißt Füchse im Meere und Fische auf dem Lande suchen. Hast Du wohl, o König, mich, Deinen Knecht, obwohl ich die ganze Verwaltung Castilien's zu besorgen habe, in Seide gekleidet gesehen? . . ." *) Aus denselben Punkt, den Luxus, kam der König bei einer andern Gelegenheit mit Don Abraham Benveniste noch einmal zu sprechen. In Folge einer Blutanklage, welche gegen die Juden in Ecija erhoben wurde, begab sich Don Abraham Benveniste mit Don Joseph Hanassi und R. Samuel ben Schoschan zum Könige. Da warf ihnen der König den Hang der Juden zum Luxus und Vergnügen vor-. „Wenn ihr Knechte und Verbannte seid, warum legt ihr fürstliche Kleider an, was nur dazu dient, Haß und Neid zu erregen, und doch habe ich in meinem Reiche den Befehl ertheilt, daß ihr euch nicht in Seide kleiden sollt. Was bedeuten jene eure Versammlungen, indem ihr aus den Märkten an Beschneidungs- und anderen Festtagen einherziehet, fürstlich gekleidet, während das Volk dies mit neidischem Blicke ansieht?" 1) Schevet Jehuda (eck. Wiener) 116 ff.