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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1869-01-01 · Heft 1 · page 282

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1869
Issue
Heft 1
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 282)
Language
German
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285 jede Weisheit von uns gewichen, wie sollten wir also Träume zu deuten verstehen?" Darauf der König: „Das ist nicht wahr, denn ich habe von Fra Pablo, welcher von Salamanca kam, gehört, wie er mir sagte, daß er und seine Freunde mit einem gelehrten Marranen heimlich das Studium des Talmuds betrieben habe, wobei er bemerkte, daß er nach vielen Tagen und Jahren, in denen er diesem Studium obgelegen, eingesehen hätte, daß diese Wissenschaft tiefer sei als alle anderen. Wenn nun das Exil die Wissenschaft vernichtet, wieso verstanden die Juden, nachdem sie in Babylon in Gefangenschaft gewesen waren, jene Wissenschaft?" Darauf antwortete der Jude: „Obwohl sie im Exil gelebt hatten, so war doch noch eine Ader von Wissenschaft in ihnen, da sie den großen Gelehrten, den Männern der Ueberlieferung, der Zeit nach nahe standen; wir aber stehen jenem Ursprünge der Gelehrsamkeit überaus fern, darum ist auch heute unser Licht und die Leuchte unserer Lehre erloschen und wir tappen allesammt wie Blinde umher." Hierauf der König: „Wo giebt es aber noch eine solche Thorheit als die, zu behaupten, daß, weil ihr aus eurem Lande vertrieben worden seid, ihr die Kenntnisse verloren hättet; ist etwa die Wissenschaft von einem Lande und nicht vielmehr von dem Verstände des Menschen abhängig?" Da antwortete der gelehrte Jude: „Herr! Nicht etwa in Folge unserer Verbannung aus unserm Lande kömmt dies, sondern weil unsere Vernunft gebannt ist, indem dieselbe bei unserer Dienstbarkeit im Exile auf das gerichtet ist, was wir zu unserer Erhaltung und Herbeischaffung des Tributs und der königlichen Abgaben nöthig haben; wie sollte uns da noch für wiffenschaftliche Gegenstände Muße bleiben?" Nach einer kurzen Unterbrechung kam der König auf den übertriebenen Luxus der Juden zu sprechen.

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