Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 215)
- Language
- German
- Belongs to
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217 worden. Dazu käme noch, daß sie durch die Emigration sehr mitgenommen wurden, so daß sie derzeit ohne beachtenswerthen Handel sich aufgehalten, viele jedoch das Land verlassen und andere aus purer miserie das Leben eingebüßt haben. Die Restaurirung der Judenstadt allein würde kaum mit 100,000 Fl. bestritten werden. Die mährischen Juden wieder meinten, daß sie durch die Kriegstroudlen ebenso und an mehreren Orten noch mehr als die böhmischen Juden gelitten haben. Diese hatten durch die angrenzenden fremden Länder und Orte In specie respectu Leipzig eine gute Gelegenheit zum Handel, die mährischen jedoch haben blos den Branntwein- und Pottaschhandel; jene waren freie, diese unterthänige Leute, welche nebst den peiestationibus pudlicis auch die dominicales also doppelte Lasten zu tragen haben und obschon ihre Anzahl stark sei, fehle es doch an Handel und Vermögen und Mähren sei daher kaum im Stande, 75,000 Fl. jährlich zu zahlen. Die böhmischen Judendeputirten baten ferner, da die Präger Judenstadt von Judenfeinden vollends ruiuirt worden und dergestalt verwüstet sei, daß sich in den Häusern kein Fenster und keine Thüre mehr befinde, so möge man ihnen gestatten, 40—50 Juden auch ohne Familien in die Jndenstadt zur Bewachung einzulassen, und die fernere Ruinirung auf das schärfste untersagt werde. Eine Commission sollte über diese Punkte entscheiden. Diese trat unter dem Vorsitze des Grafen Haugwitz am 30. Juli 1748 zusammen. Bei derselben waren Vertreter der Hofkanzlei (Vicekanzler Jordan und Kannegiesser), der böhmischen Kanzlei (Baron Netolitzka> Canonicus Kneisel, Wanzura und Weiwoda) und der mährischen Kanzlei (Baron Blümegen Graf Schratenbach und Lezatky.) — gewirtschaftet. Unwillkürlich erinnert uns das an Hebbels „Trauerspiel in Sicilien."