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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1869-01-01 · Heft 1 · page 200

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1869
Issue
Heft 1
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 200)
Language
German
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202 nicht unterschätzen. Man wird sich erinnern, daß auch in neuerer Zeit die Emancipationsfrage der Juden oft selbst von denjenigen, die für sie das Wort nahmen, gewissermaßen als eine Gnadensache betrachtet wurde, nnd suchte man sie vorn Standpunkt der „christlichen Liebe" zu fördern. Erst in neuester Zeit betrachtete man sie als Rechtsfrage, daß die Juden berechtigt seien, dieselbe zu fordern und sie nicht als Gnadensache zu erbitten und zu erbetteln haben. Zu jener Zeit, wo die Juden sozusagen rechtlos waren, wo sie außerhalb der Gesetze standen, war es von feiten der Statthalterei ein kühner Griff, darauf hinzuweisen, daß die Juden zu Recht bestehende Privilegien besitzen, die sie sich sowol durch Verdienste um den Staat erworben, wie durch große Geldsummen erkauft haben, die respectirt werden müßten. Die Statthalterei mochte sich um so mehr Erfolg von der Herbeiziehung dieses Arguments versprochen haben, da die Kaiserin sonst streng rechtlich war und es selbst zu fühlen hatte, wie schmerzlich der Mensch den Eingriff in seine wolerworbenen Rechte empfindet, und daß der Grundsatz: „Macht geht vor Recht" ihr manchen Schaden verursachte nnd die Machtstellung des österreichischen Staats erschütterte. Die Statthalterei weist ferner zisfermäßig nach, welcher Schaden dem Lande und dem Staat durch die Ausweisung der Juden aus Prag bereits zugefügt wurde, wie sehr die kaum aufblühende Industrie dadurch zu leiden habe. Indem die Statthalterei bemerkt, daß es den christlichen Einwohnern an kaufmännischem Geiste fehle, hebt sie zugleich eine Tugend der Juden hervor, die, sehr sparsam und mäßig, sich auch mit einem kleinen Gewinn begnügen. Sie weist ferner darauf hin, wie wichtig die Juden bei Löschung von Feuersbrünsten waren u. s. w. Das zweite Jahr des Exils, das Jahr 1746, ging zu Ende, ohne daß sich die Verhältnisse der Juden gebessert hätten. Sie wurden vielmehr, was in der Natur der Sache lag, noch

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