Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 201)
- Language
- German
- Belongs to
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203 schlechter. Mit dem Propheten konnten sie sprechen: „der Sommer ist dahin, die Weinlese ist vorüber, doch uns ist nicht geholfen." Alle Eingaben, alle Vorstellungen waren fruchtlos geblieben. Die Kaiserin wollte weder auf die Stimme des Rechtes, noch auf die des Gemüthes und Gefühls hören, selbst Zahlen nnd Ziffern hatten ihre beweisende Kraft verloren. Hätten wir uns den Character Maria Theresias aus ihrem damaligen Verfahren gegen die Juden zu construiren, wir müßten sie als eine haßerfüllte, boshafte, und unvernünftige Regentin betrachten, und doch besaß sie diese Eigenschaften nicht. Tausende ihrer Regierungshandlungen geben dagegen Zeugniß ab. Unparteiische Zeitgenossen schildern sie in ganz anderer Weise. (Vergl. Arneth: die Relationen der Botschafter Venedigs über Oesterreich im 3 8. Jahrh, in den fontes rerum Austriacarum). Den Juden aber schenkte sie vorläufig kein Gehör. Die Angelegenheiten dieser Unglücklichen berührten ihr Herz nicht. Am Anfang des Jahres 1747 wurde die Steuer für die böhmischen und mährischen Juden ausgeschrieben und zwar wurde dieselbe in gleicher Weise wie bis dahin bemessen, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, was inzwischen geschehen ist. Nur in einer Beziehung nahm man theilweise auf die bestehenden Verhältnisse Rücksicht. Unter der Kaiserin Maria Theresia mußten die Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien außer andern Steuern, für die Freiheil des Einkaufes der Paradiesäpfel und der Palmenzweige jährlich 40,000 Fl. zahlen *) und zwar war diese Summe in folgender Weise repartirt: die böhmischen Juden zahlten r/i2' die Mährischen 4/12 und die Schle- 1) Das Project die Paradiesesäpfel und die Palmenzweige zu besteuern, ging von einem Juden aus Namens David Lehmann. Leider war dies sehr oft der Fall, daß Juden, um „patriotisch" zu erscheinen, eigentlich aber um sich von Seiten der Regierung eine Begünstigung zu verschaffen, oder um eine Geldbelohnung zu erhalten, den Behörden derartige Projecte zur Bedrückung ihrer schwerheimgesuchten Glaubens-