Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 171)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Stoß erlitten, da ihre Glaubensbrüder, mit welchen sie in Geschäftsverbindung standen, aus Prag vertrieben wurden. Die Präger Juden hatten jedoch nicht einmal ein Plätzchen, wo sie ruhig ihr Haupt niederlegen konnten. Wenn man den häuslichen Sinn der Juden kennt, so kann man ermessen, wie schwer es die Präger Juden empfinden mußten, daß ihnen eben alle Freuden, die die Häuslichkeit bietet, abgingen. Im November 1745 beantragte die böhmische Statthalterei, den Präger Juden zu gestatten, über den Winter nach Prag in ihre Behausungen ziehen zu dürfen. Sie verwahrt sich neuerdings dagegen, als wolle sie für die Juden das Wort nehmen, und motivirt ihren Vorschlag dadurch, daß die Juden in ihren jetzigen Aufenthaltsorten, in Scheunen und Ställen, erkranken müßten und eine Seuche zu befürchten sei. Wiederholentlich weist sie auch darauf hin, daß diese Behandlung der Juden gegen die Lehre des Christenthums sei. *) 1) Adam Wolf („Oesterreich unter Maria Theresia") sagt: Sie (die Kaiserin) sah das Christenthum in seiner Ursprünglichkeit und Wahrheit nur im Katholicismus, was darüber hinausging, verwarf sie als Irrthum, sie konnte ihn dulden, aber nicht theilen. Daraus entsprang ihr kirchlicher Eifer und jene Intoleranz, die sie gegenüber den Akatholiken kundgab. Sie hatte immer eine Abneigung gegen die Juden. Ihr Widerwille war so groß, daß sie ihn einst in Preßburg nicht verbergen konnte, als sie durch eine Judengasse fuhr. In Prag verbot sie, daß ein Jude den Raum ihrer Paläste betrete. Im Jahre 1746 (soll wol heißen 1744) kam plötzlich der Befehl, daß alle Juden die Monarchie verlassen sollten. (Dies ist irrthümlich; nur die Juden in Böhmen und Mähren wurden ausgewiesen.) Man dachte an ein Gelübde von srühern Jahren her." (Darüber ist weiter nichts bekannt.) Diese Darstellung rechtfertigt unsere Voraussetzung, daß die Kaiserin in dem gegebenen Fall von Haß und Fanatismus sich leiten ließ. Adam Wolf erzählt weiter: Sie machte kein Hehl aus der Abneigung. Dem englischen Gesandten, der sich für die Juden verwendete, sagte sie, sie würde annehmen, er spräche für jüdisches Geld. Erst nachdem ihr Gemahl, der Herzog Karl, der Churfürst von Polen, sogar der Heilige Vater fürsprachen, gab sie nach." Ueber diese Momente