Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 170)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3138070-3138073-3138074--1063-3139153- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
172 Fast buchstäblich ging das Wort der Klagelieder in Erfüllung: „Die Leckerbissen genossen, verschmachten auf der Straße, die erzogen wurderr in Purpur, umfassen den Koth", und doch verlangte man von denselben, um sich „angenehm" zu machen, daß sie Steuern zahlen. Mittels einer Zuschrift vom 19. Febr. 1745 wurde ihnen von feiten der Statthalterei bedeutet.- Nach k. Befehl sollen die Juden in Böhmen 9000 Fl. zur Anschaffung von Schnappsäcken, Flintensteinen und derlei Rahmen, dann Pulverhörnern zahlen. Auf die Präger Juden fielen 5000 und auf die Landjuden 4000 Fl. Die Landjuden müssen diese bezahlen, da sie noch im Lande sind. Die Präger Juden könnten davon befreit sein, sie sollen aber als „gewunschene Gelegenheit ihr immerfort allerunterthänigst bezeugende Willfährigkeit neuerlich an den Tag legen", 2000 Fl. zahlen. Die Juden, auf ihre traurige Lage hinweisend, baten um einen Monat Frist, um möglicherweise die Summe zusammenzubringen. Allerdings hatten die Juden während der Zeit eine Concession erlangt. Mittels allerhöchster Entschließung vom 15. Mai 1745 wurde es ihnen nämlich gestattet, vorläufig noch im Lande zu bleiben. Infolge einer wiederholten Vorstellung der Statthalterei rescribirte die Kaiserin, wie bereits angeführt, am 31. Aug.: „Sollen weiteres auf dem Lande sich ausbreiten dürfen, bis weitere Ordre." Während dieser Verhandlungen nahte wieder der Herbst und nach ihm der Winter heran. Während die Landjudenschaft blos vom Damoklesschwert bedroht war, eines Tags von Haus und Hof, von der geliebten Heimat wegziehen zu müssen, war sie doch mindestens während dieser Zeit in ihren bisherigen Behausungen und konnte die mannichfachen Bequemlichkeiten genießen, die jedes Haus . und jede Hütte ihrem stabilen Bewohner gewährt. Wol Hatte ihre Beschäftigung seinen harten