Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 163)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Hierentgegen sind unter der Präger Judenschafft verschiedene Wohlhabende und in derley Sachen sich nicht mischende particulares, welche den größten Theil des böhmischen Commercii in ihre Hände gebracht. Diese befördern die böhmischen Landesexportanda in fremde Länder nnd führen dagegen vieles Geld herüber, welchen Cornercii Erhaltung nicht allein des Landes, sondern auch Ew. Maj. Interere behänget. Das Surrogatum der christlichen Comercianten ist wenigstens dermalen nicht vorhanden, und ehe sich eines künfftig zusammensetzet, wird noch Zeit verlaufen. Die . . . Cantzley könnte also nicht absehen, warumb dergl. dem publico nicht schädliche sondern proütable Jüdische particu1are8 das Schicksal der Nigration mittreffen und das böhmische Comercium aufs einmal unterbrochen werden sollte, worbeh noch die Gefahr wäre, daß solches nach einmaliger Abwendung, wie es in particular speciebus mercantilibus mit Exemplen de praeterito bestätigt werden könnte, gar nicht oder doch mit großem Abbruch zurückzubringen seyn möchte. Derley wohlhabende particulares unter einem restringirten numero gleichwie es alhier bey Ew. Maj. Hofflager selbsten so ist, mithin keineswegs in fbrma comunitatis, sondern unter speeial privilegien der im Land Bleibung könnte man unmöglich schädlich, auch einer künfftigen resolutio, wann man sie immer nicht mehr haben wolle und nach anderweitigen 8urrogato der Commercianten nicht nöthig hätte, keineswegs praejudicirlieh finden." — Wir haben hier das Zeugniß eines Bileam für die Juden angeführt. Wir gedenken nicht, die gegen die Juden vorgebrachten Anschuldigungen zu entkräften. Die Hofkanzlei gibt selbst zu, daß sie nicht „in die Juden verliebt" sei, sie nimmt es der Hofkammer sehr übel, daß diese noch von Zeit zu Zeit seien, war lange Zeit vorhanden, und selbst der erleuchtete Kaiser Joseph II. war von diesem Beurtheil befangen; er suchte deshalb das jüdische Gemeindewesen aufzuheben.