Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 156)
- Language
- German
- Belongs to
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158 sehr beschuldigt. Kinsky, Kaunitz, Morzin u. a. mußten die Stadt verlassen und außerhalb derselben verweilen, bis sie sich purificirt hatten. Der Graf Kinsky, Oberstlandhofmarschall und Oberstlandkämmerer in Böhmen, war sogar beschuldigt, einer der ersten gewesen zu sein, welche dem Kurfürsten ihre Huldigung darbrachten. Eigenthümlich genug war es, daß diese Untersuchungscommission fast keine Resultate förderte. Die Angeklagten fanden unter ihren Richtern Protectoren, und offenbare Landesverräter wurden neuerdings in Aemter und Würden eingesetzt. Gegen die Juden wurde keine Untersuchung eingeleitet. Es sind keine hervorragenden Persönlichkeiten genannt, die man des Landesverrats anklagte, aber man beschuldigte sie der Parteinahme für Franzosen und Baiern, und sie mußten ein freiwilliges Geschenk machen — 150000 Fl. — wodurch sie vorläufig einer strengern Ahndung entgingen. Nachdem am 26. Nov. 1744 die preußischen Truppen unter einem starken Gefecht Prag verlassen hatten und die Oesterreicher dasselbe wieder besetzten, benutzten die Grenzsoldaten die Gelegenheit und plünderten die Judenstadt. Zu ihrer Entschuldigung wurde gesagt, sie hätten dies gethan, weil es die Juden mit dem Feinde gehalten haben. Indeß mögen die Grenzsoldaten über diese Entschuldigung, wenn sie ihnen zu Ohren kam, wol gelächelt haben. Ein gewisser Deutsch, Jude, soll sich gleichzeitig mit den Preußen gepflüchtet haben. (Vergleiche Arneth, Maria Theresia's erste Regierungs-Jahre. 2. Band.) Beiläufig einen Monat später, am 18. December 1744, nachdem Prag wieder österreichisch war, wurden die Juden ausgewiesen. Nach dem Vorausgeschickten glauben wir mit aller Sicherheit annehmen zu dürfen, daß vielleicht da und dort ein Jude in Verbindung mit dem Feinde stand, daß jedoch die Juden im