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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1869-01-01 · Heft 1 · page 155

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1869
Issue
Heft 1
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 155)
Language
German
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- 157 hervor, welche sie bei der^aiserin machten und die wir später mittheilen werden, wo sie der Loyalität der Juden ein entschieden günstiges Zeugniß geben. Um übrigens zu zeigen, wie sehr sozusagen, damals alle Bande gelockert waren, führen wir an, daß zur Zeit des bairisch-französischen Einfalls, nachdem der Großherzog von Toscana von Prag abgezogen war, die bei Kuchel und Königssaal stehenden Panduren sich entfernten. Fünfzehnhundert Grenzsoldaten folgten ihrem Beispiel, sie und die größte Zahl der rmgarischen Jnsurrectionshusaren verließen ihre Fahnen und zogen, jeglicher Zucht und Ordnung Hohn sprechend, ihrer Heimath zu. „Man kann sich einen Begriff von der eingerissenen Desertion machen", sagt Arneth (Maria Theresias erste Regierungsjahre, 2. Bd.), „wenn man liest, daß anfangs October 1742 nicht weniger als 2000 Kroaten auf ihrer Rückkehr nach der Heimat gleichzeitig durch Wien kamen." Aber nicht blos unter dem Militär fand eine Desertion statt. Die Kaiserin mußte es mit ansehen, daß die meisten Glieder des böhmischen Adels, welcher vom Hause Oesterreich mit Bevorzugungen jeder Art überhäuft worden war, die ihr geschworene Treue verletzten und dem fremden.Eindringling gehuldigt hatten. Sie dienten nicht nur dem neuen Beherrscher, sie suchten nach Kräften seine Herrschaft im Lande auszubreiten und zu befestigen. Trotzdem in der Präger Capitulation bestimmt war, daß kein Bewohner von Prag, wegen der Haltung während der Invasion zur Rechenschaft gezogen werden soll, setzte die Kaiserin nichtsdestoweniger eine Untersuchungscommission ein. An der Spitze dieser Commission stand ein Mann, Graf Johann Ernst von Schasfgotsch, welcher befohlen hatte, auf seinen Gütern im königgrätzer Kreise dem Kurfürsten von Baiern als König von Böhmen zu huldigen, und also selbst compromittirt war. Der Erzbischof von Prag, Graf Manderscheid, die hervorragendsten Mitglieder des Domkapitels, Personen aus dem Adel und der Bürgerschaft der Hauptstadt waren

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