Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1869-01-01 · Heft 1 · page 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1869
Issue
Heft 1
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 148)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3138070-3138073-3138074--1041-3139131
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

150 Die Weitesten: Israel Bondi, Jonas Jakobs Moises Abeles und Selig Josel Liebwitz, baten hierauf, den Termin bis zum 1. Mai 1670 zu erstrecken. Der Kaiser war geneigt, auf diese Bitte einzugehen, doch der Bischof sträubte sich dagegen. Die Aebtissin beim Heiligen Geist ordnete sofort die Wegschaffung der Juden aus der Umgebung des Klosters an. Dagegen remonstrirten die christlichen Vermiether, weil die Juden einen größern Miethzins zahlen und dem Bierschank u. s. w. großen Nutzen bringen. Es wurde also vorläufig die Erstreckung genehmigt. Nebenher wollen wir bemerken, während in Prag um diese Zeit die Privilegien der Juden vom Kaiser berücksichtigt wurden, erfolgte die Vertreibung der Juden aus Wien, die nicht minder Privilegien besaßen (vergleiche unsere: „Juden in der Leopoldstadt"). Die Juden hingen eben trotz Privilegien und verbriefter Rechte, für die sie besonders zahlten, von der Willkür- oder von der Gnade der Machthaber ab. Hierauf halten die Juden einige Zeit Ruhe, d. h. nicht etwa, daß man sie ruhig gewähren ließ und ihnen Zeit zur Erholung gönnte, oder, daß man den status quo beließ und sie sich der erhaltenen Privilegien zu erfreuen hatten. Wir erinnern nur an das Gesetz unter Kaiser Karl VI., welches die Heirath beschränkte. (Man suchte sozusagen in künstlicher Weise die Verminderung der Juden herbeizuführen. Bestand doch in Prag eine eigene Reductionscommission für die Juden.) Es erfolgte jedoch einige Zeit keine Ausweisung. Maria Theresia bestieg den Thron. Die böhmischen Juden gaben außer der Krönungsdotation 450000 Fl. und diemährischen Juden gaben 50000 Fl. Reisegeld. Im Jahre 1742 gaben überdies die mährischen Juden 50000 Fl. zu den Festungsbauten. — Wenn man bedenkt, daß die Juden von Steuern fast erdrückt wurden und daß die genannten Summen von sehr respectabler Größe sind, so wird man zugeben, daß die Juden bedeutende Opfer brachten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.