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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1869-01-01 · Heft 1 · page 147

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1869
Issue
Heft 1
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 147)
Language
German
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149 grimmiger feuersbrunst von Gott dem Allmächtigen, gleichsam miraculose beschirmt, daß ob loci sanctitatem anch temporis antiquitatem höchstens zu bedauern und schad über schad seyn, wann annitzo dieselben mit Menschenhänden ohne erhebliche Vrsach solle niedergerissen werden." Noch war der Leideuskelch von feiten der Juden nicht ganz geleert. Während des nothwendigen Wiederaufbaues der abgebrannten Häuser mußten die Juden in christlichen Häusern Unterkunft suchen, und in der That nahmen christliche Hausbesitzer die Juden in ihre Wohnungen auf. Doch der übereifrige Bischof von Prag, Johann Friedrich, nahm Anstand daran, da die kanonischen Gesetze das Zusammenwohnen der Christen mit den Juden verboten. Der Bischof erließ daher an die Geistlichkeit den Befehl, daß niemand einem Christen die letzte Oelung spende, der in einem Hause mit Juden zusammen wohnt. Die Landstände baten hierauf den Bischof, jenen Befehl aufzuheben, und wiesen darauf hin, daß der Papst derartige Vorgänge nicht verbiete, (?) und überdies müßte ein derartiges Gesetz die königliche Bewilligung erhalten; doch der Bischof berücksichtigte diese Vorstellung nicht. Die Statthalter von Böhmen wendeten sich infolge dessen an den Kaiser Leopold, und dieser (Augsburg, 4. Nov. 1689) verwies dem Bischof seine Strenge, verfügte aber, daß der Statthalter das Verweilen von Juden in Christenhäusern nicht länger dulden solle. Bald hernach am 22. Nov. 1689 befahl der Kaiser, daß die Juden von den Christen getrennt und ihnen vorläusig unbewohnte Häuser eingeräumt werden. Während der Priester einem Kranken die letzte Oelung spendet, soll eine bürgerliche Wache ihn umgeben und die Juden sollen abgesperrt werden. Es werde eine Commission bezüglich der Separirung der Juden eingesetzt, bei welcher der Bischof vertreten sein soll. Die zeitweiligen Synagogen in christlichen Häusern sollen aufgehoben werden.

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