Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 139)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3138070-3138073-3138074--1032-3139122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
139 recht, was mit der erlaubten Eheschließung zwischen Juden und Christen anzufangen sein wird, so meinen wir doch, daß es endlich an der Zeit wäre, das einfache Menschenrecht, nichts mehr und nichts weniger, auch an dem Juden anzuerkennen und ihm keinerlei Genuß von Wohlthaten zu verkümmern, die aus dem Wesen einer staatlichen Gemeinschaft als solcher allen Gliedern derselben erwachsen, die jene in sittlicher Form verwerthen und dem großen Ganzen dienst- und nutzbar machen. Immerhin muß ein Fortschritt darin erkannt werden, daß aus die wahrhaft edle Motivirung des Herrn Referenten der Bundescommissar Graf Eulenburg die Erklärung abgab, daß rn Folge des Beschlusses vom 23. October v. I. Seitens der Bundesbehörde eine Sammlung aller derjenigen Bestimmungen veranlaßt worden, welche sich auf die Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden beziehen, und daß diese Sammlung bereits vom Bundesrathdem Justizausschuß überwiesen sei. Allein was darf dennoch nach den bisherigen Erfahrungen z. B. in Meklenburg (vergleiche S. 75) erwartet werden, wenn in demselben Athem, wo der Bundescommissar die obige Erklärung abgiebt, der Meklenburgische Abgeordnete Graf Bassewitz erklärt, der Reichstag sei nicht competent, in die Familie, die Gemeinde einzudringen und den Einzelstaaten ihr Recht auf ein christliches Regiment zu nehmen; die Juden hielten ihre Sonderstellung für gerecht und ihr Regiment würde ein jüdisches sein, wenn sie einen Staat bildeten. Wir sind Herrn Lasker zu Dank verpflichtet für die Zurückweisung solcher Insinuationen und können ihm nur beipflichten, wenn er erklärt.- „Will man die Gleichberechtigung der Juden nicht, so begründe man das wenigstens nicht durch die Behauptung, daß die Juden selbst damit zufrieden sind; das verletzt ihr Gefühl." Ein Weiteres war nicht an der Stelle, nachdem der Bundes- Commissar die Aussicht eröffnet hatte, daß die Angelegenheit demnächst in einer anderen Form vor den Reichstag gebracht werden wird, und wir sind dessen gewiß, daß Lasker in solcher