Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 137)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3138070-3138073-3138074--1030-3139120- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
scheiden? Ich kann es nicht. . . . Soll lediglich eines Scheines wegen — denn es ist nur ein Schein, und es besteht in Wahrheit kein gleicher Inhalt in der heutigen Vorlage mit dem Inhalt des Bundesgesetzes — soll nun wegen eines bloßen Scheines von Konsequenz die Flotte zu Grunde gerichtet werden? Dazu kann ich nicht ja sagen ... Es mag immerhin gesagt werden, die Lage sei heute gerade so, wie zur Zeit des Bundesschuldengesetzes; in Wahrheit ist der Unterschied ein sehr bedeutender. Concret wird von uns blos gefordert, daß die gegenwärtige Anleihe flüssig gemacht werde, und nicht daß wir eine Institutiongewähren, welche uns nicht zusagt. Verwickeln wir uns nicht in die Mitschuld, welche meiner Meinung nach die Regierung bereits auf sich zu laden begonnen hat, daß wir die Flotte zu Grunde gehen lassen, lediglich weil wir uns im Prinzip mit einer widerstrebenden Regierung nicht einigen können." Man ist versucht, an der einen oder der anderen Stelle Laskers Ansichten nicht zu theilen; man kann annehmen, daß Lasker in der Begründung seiner Entschließung vielleicht über das Ziel hinaus schoß und in seinem patriotischen Eifer dem Pessimismus zu viel Raum gestattete, wenn er von der Regierung fürchtete, daß sie die begonnenen Maßnahmen, die ins Werk gesetzten Abrüstungen der Marine, weiter führen und der Wehrfähigkeit des Staates noch tiefere Wunden schlagen würde. Allein wir glauben andererseits kaum, daß sich die Argumente L's bis zuletzt vollkräftig widerlegen lassen, und stehen schließlich vor der Erwägung, ob es nicht vorzuziehen war, einem bereits eingetretenen Schaden dadurch abzuhelfen, daß man sich entgegenkommend zeigte und den Weg des Kompromisses betrat, einen Weg, auf welchem Das nicht lag, was man bei früheren Gelegenheiten zurückwies, sondern auf welchem man eine Aushilfe ergriff, mit welcher man einstweilen auszukommen suchte, bis die Leidenschaften ruhiger geworden und der Wille zu einer definitiven Einrichtung die rechten Bahnen aufgefunden hat.