Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Rabbi Arjeh Markus in seinem eigenen Hause von dem Consul der Vereinigten-Staaten Nordamerikas gewaltsam ergriffen, körperlich gemißhandelt und in's Gefängniß geworfen. Als Grund davon wird angegeben, daß der amerikanische Consul ein vierzehnjähriges Mädchen jüdischer Religion, die hinterlassene Waise eines geborenen preußischen Bürgers Namens Steinberg, welche unter Vormundschaft des Arjeh Markus steht, wider den Willen des Vormunds und des Mädchens selbst einer zum Christenthum übergetretenen Schwester der letzteren zuführen wollte, durch Veranlassung des Arjeh Markus aber des Mädchens nicht habhaft werden konnte. Dem preußischen Consulate wurde vorgeworfen, daß es, obschon angerufen, dem Arjeh Markus keinen' Beistand geleistet, sondern den amerikanischen Consul in seinem gewaltsamen Verfahren unterstützt habe. Lasker fragt nun bei der Regierung au, ob dieselbe von dem Vorfalle Kenntniß erhallen, ob sie das Verfahren des preußischen Consulats gerechtfertigt halte, entgegengesetzten Falls, ob und welche Mittel sie zu ergreifen gedenke, um den bedrohten Personen wirksamen Schutz zu verleihen und die Beamten des preußischen Consulats zur Rechenschaft zu ziehen." Also immer noch der fromme Eifer, einer Religion widerwillige Bekenner zuzuführen, die durch Geburt, Erziehung, Glaubensanschauung wie durch eine unausfüllbare Kluft von derselben getrennt sind! Welche Ehre erwuchs jemals einer Religion aus den gelrmgenen Versuchen, durch reiche Geldbelohnung, oder Gewährung glänzender Vortheile, oder durch gewaltsame Mittel Bekenner anderer Confessionen zu sich herüber zu ziehen! Und doch! Ist Das und Aehnliches nicht fast immer das bestimmende Motiv zu dem Uebertritt aus dem Judenthum in die herrschenden Religionen gewesen! Lasker motivirt seine Interpellation vom staatsmännischen Gesichtspunkte aus und weist darauf hin, wie sehr es dem Ansehen Preußens und Norddeutschlands speciell in Süddeutschland schaden würde, wenn es nicht ernste, erfolgreiche Schritte thäte, seinen Schutz-