Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
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106 genommen werden sollen: Wenn der neue Justiz-Minister nur das Ganze im Auge hat, so werden wir ihm ohne Parteiinteresse dabei helfen, denn der politische Standpunkt liegt von der Rechtspflege weit ab, oder soll doch weit von ihr abliegen." Langer, anhaltender Beifall auf der linken Seite des Hauses folgte dieser Rede, deren Eindruck mächtig und tief gewesen sein muß, während die Rechte sie mit lautem Zischen begleitete. Der Justiz-Minister jedoch, der unmittelbar darauf erwiderte und zunächst Verwahrung dagegen einlegte, daß allgemeines Mißtrauen gegen den Richterstand in Preußen herrschte, der vielmehr durch Unbefangenheit, Integrität und Unparteilichkeit in der Rechtspflege sich auszeichne, erklärt, daß die ganze Rede an äußersten Uebertreibungen leide, an solchen Uebertreibungen, daß sie den Eindruck der Unbefangenheit und Wahrheit auf Niemanden machen könne. Wir unseres Ortes sind nicht in der Lage, über die Wahrheit der in der Lasker'- schen Rede enthaltenen Thatsachen zu urtheilen. Wir registriren auch, daß Lasker in einer folgenden Rede am 10. Januar einer vom Stadtgerichtspräsidenten in Berlin ihm zugegangenen Zuschrift erwähnt, die seine Angaben über die „Wanderschaft der Deputationen in Preß- und politischen Prozessen" berichtigen sollte, und Lasker dazu die Erklärung abgiebt, es liege niemals in seiner Absicht, gegen Personen, sondern gegen Institutionen zu sprechen. Allein wir eonstatiren zugleich, daß Lasker's Rede frei ist von jedem Zuviel in der Ausführung, von jeder Schroffheit im Ausdruck, daß sie frei ist von jenem Uebel, welches die Alten an den Rednern mit den Worten des Apelles rügen, der die Maler tadelt, welche zuviel auf die Leinewand bringen, und daß sie diejenige Redeweise offenbart, welche das Edle, Gefällige, das klassische Decorum bezeichnet. Und wahrlich, wir verzeichnen diesen Umstand um so lieber, als diese beiden Eigenschaften, welche den Redner in hervorragendem