Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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103 festen, zu einem organischen Ganzen, geschlossenen Wall zusammenfügt, daß er undurchdringlich erscheint und die Angriffe der geschicktesten Gegner vergeblich werden. Wir meinen die Discussion über den Etat des Justiz-Ministeriums. Wie man an einem Bilde mit einem Blicke ein ganzes Jahrhundert überschaut, die Menschen versteht, die in ihm leben, das Costüm sieht, das sie tragen, die Beschäftigung, die sie treiben, die Sitten, die sie pflegen: so hat Laster am 8. Januar in den Rahmen seiner Rede über den Justiz-Etat das ganze Justizwesen des preußischen Staates hineingezeichnet und uns eine deutliche Uebersicht alles Dessen ermöglicht und gewährt, was seit dem Entstehen des Landrechts bis auf das jüngste Datum auf dem Gebiete des Rechts und in der Handhabung der Rechtspflege geschehen ist. Man erkennt als das Charakteristische an den Bildern der altflanderischen Schule, daß auf ihnen die Menschen mit einer reichen Umgebung von einschlägigem Detail, von lokalen Erscheinungen und idealen Beziehungen versehen werden, aus welchen ihr Verständniß leicht hervorgeht und eine harmonische Verbindung alles Dargestellten dem Ganzen den Ausdruck einer unzweifelhaften Wahrheit giebt: mit einem solchen Bilde möchten wir die ins Auge gefaßte Rede Lasters vergleichen, die aus den verschiedenen Gebieten des Rechts sich aufbaut und sich in ein harmonisches Verhältniß zu den Wahrnehmungen und Erfahrungen setzt, welche die einzelnen Rechtsgebiete und die auf ihnen sich vollziehende Praxis bieten. Kurz: die Struktur und der Charakter der Laster schen Rede ist durch Vorgänge der Wirklichkeit bedingt. Je mehr aber dies der Fall ist und der Redner sich zur Aufgabe macht, Uebelstände zu rügen und Reformen anzustreben: desto schwieriger wird es sein, in Form und Inhalt immer das rechte Maß zu treffen und in der Wärme des Gefühls nicht über die passende Grenze hinauszuschreiten. Wir verweilen nicht ohne Grund bei dieser Schilderung; denn gerade durch die Rede, welche uns hier beschäftigt, zog sich Laster durch den