Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3138070-3138073-3138074--0941-3139031- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
48 wecken ober zu entwickeln, welche im Jahre 1862 sein Vorgänger, der Justiz-Minister von Bernuth, ausgestreut habe. Aber so groß auch die Nachtheile seien, welche in den aufgezählten Institutionen hervortreten, so würden diese noch weit überboten durch die gegenwärtige Organisation der Gerichte, welche alle Gebrechen vervielfacht. Für die alten Provinzen allein sei ein Contignent von 4000 Richtern für die erste und zweite Instanz aufzubringen, von welchen man — der Bedeutung des Richters entsprechend — „wissenschaftliche Kenntnisse, einen diamantnen Character, psychologische Kenntnisse, Scharfsinn in der Beurtheilung, Schnelligkeit in der Auffassung, Unparteilichkeit, kurz, die Erfüllung der höchsten Ansprüche verlange, die an einen Beamten gestellt werden"; eine so große Anzahl so hervorragender Menschen könne aber einem Volke nicht zugemuthet werden. Das sei vollends evident, wenn man die mangelhafte Erziehung berücksichtigt, durch welche der Richter zu seinem Beruf gebildet werde, und die ihm keinerlei Gelegenheit gebe, seinen Character im Leben zu erproben und sich in der wissenschaftlichen und juristischen Praxis zu bewähren. Redner unterwirft darauf die organisatorische Thätigkeit des Justizchefs einer strengen Analyse, bemängelt dessen Wirksamkeit als Syndikus des Staats-Ministeriums, rügt die sich häufenden Disciplinar - Untersuchungen, die früher nicht vorkamen, tadelt, daß Avancements und Anstellungen von der politischen Gesinnung abhängig gemacht werden, und weiß kein Lob dafür, daß der Justiz-Minister nach dem Ausspruch seiner Freunde die Personalacten der Richter, wie keiner seiner Vorgänger, kenne. „Wir haben", so schließt Lasker, „gegenwärtig Bedürfnisse, und diese sind nicht gerade Zucht und Ordnung zu schaffen, nicht das Studium der Personalacten, sondern höhere organisatorische Thätigkeit und höhere organisatorische Talente". . . Wenn aber der Herr Graf zur Lippe in Wahrheit, objectiv betrachtet, die Aufgabe zu organisiren nicht blos für Preußen, sondern auch für andere Länder, für ganz Deutschland endgiltig zu organisi-