Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 293)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Jünglinge befreit. Andere Steuern müßte man eigentlich nicht bezahlen, doch wird uns manchmal ein schweres Joch, wie wir es kaum zu tragen im Stande find, aufgebürdet. Dies ist hauptsächlich der Fall, wenn Oel, Zucker, Honig und Seife sehr wohlfeil sind, so werden die Zehnte von diesen Waaren für theures Geld, manchmal für zweimal so viel, als die Sache werth ist, den Bewohnern, des Landes, besonders von einem neuen Statthalter, aufgedrungen. Dieses Geld muß sogleich erlegt werden, wer etwa Miene macht, sich durch, seine Armuth zu entschuldigen, wird auf die Fußsolen geschlagen, bis er seinen Geist aufgiebt, oder er sich entschließt, das von ihm Verlangte zu bezahlen. Ein gleiches Verfahren hierin ist für Juden, Christen und Araber; letztere hassen die Juden nicht und stoßen nie Schimpfworte gegen sie aus, wie dies in Euerem Lande der Fall ist. Es giebt hier ein Stadtthor, welches nahe am Judenviertel ist, dessen Schlüssel die Juden verwahren; sie dürfen sich hier nur dem Araber unterthänig zeigen, und nie die Rolle eines Reichen spielen wollen, sonst wird ihnen unter irgend einem Vorwande ihre Habe weggenommen. Die Häuser in Jerusalem sind aus Steinblöcken, und sie habm nicht mehrere Stockwerke, wie bei euch; sie haben auch kein Gebälk und überhaupt bemerkt man kein Holz an denselben. Letzteres ist hier sehr theuer und wird in den Laden nach dem Gewicht verkauft; deßhalb glaube ich, bringt man keine Stockwerke hier an. In jedem Hause hier sind 5 bis 6 Zimmer, alle aus Ziegeln gemacht; auch giebt es keine Brunnen mit Quellwasser; sondern in jedem Hofe befindet sich eine Zisterne, die sich mit Regenwasser füllt. Wenn der Regen kurz anhält, so giebt es wenig Wasser in diesen Zisternen, und da kommt es oft vor, daß die Araber über uns herfallen, um uns unsern Wein auszuziehen, und die Fässer zu zerbrechen, denn sie behaupten daß durch die Sünde des Weintrinkens es nicht regnet. Manchmal giebt es Wasser nahe an der Stadt, welches von einer Quelle aus Hebron herkommt, aber immer nur in kleiner Quantität und im Sommer ist es gar nicht vorhanden. Die Mühlen werdm hier mittelst Thiere getrieben, da kein