Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 292)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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297 wissend dasteht, könnte dieses ihm durchaus nicht zur Ehre gereichen. Viele bleiben nach dem Gebete und nach den Vortragen in der Synagoge, um sich mit dem Studium der Mischna und -es Talmuds während 3 Stunden zu beschäftigen; dann geht man Kranke besuchen, Almosen nach Kräften vertheilen. Die Leute hier sind sehr wohlthätig, obzwar sie selber arm sind und von Almosen leben; möge Gott sich unserer erbarmen und unsere Speicher und unsere Geschäfte segnen. Hier in Jerusalem ist es sehr schwer, sein Leben herauszubringen; wenn man noch ein Handwerker, als : Goldarbeiter, Schmied, Weber oder Schneider ist, so gewinnt man kaum so viel, als man zu leben nöthig hat; in Damascus, Cairo, Alexandrien, Meppo und überhaupt in dieser ganzen Gegend, erübrigen die Juden so viel sie nur wollen, und besonders die nebst unserer Sprache auch arabisch sprechen; hier hingegen kann höchstens der Goldarbeiter sein Leben herausbringen; jedoch ist alles hier sehr wohlfeil, und nach meiner Meinung kann ein Mann mit 10 Ducaten jährlich sein Leben fristen. Wir haben mit Aron L o asi, der in diesem Hofe wohnt, einen Vertrag abgeschlosien, vermöge welchem er jedem von uns für 40 Silberstücke monatlich mit Kost und Wäsche versehen soll, doch ist er dafür nicht verpflichtet, uns mit Wein und Brennöl zu versorgen; auch bezahlt er die Hausmiethe nicht und giebt auch das nöthige Bettzeug nicht her. Er muß uns bloß jeden Abend mit Fleisch, Fischen oder irgend einer Milchspeise versehen, des Morgens muß er uns ebenfalls ein Gericht zubereiten. Doch sagte man uns, daß wir dafür einen zu hohen Preis bezahlen, wir haben es aber vorgezogen, es derart abzumachen, damit wir durch die Zubereitung unserer Nahrung nicht vom Studium abgehalten werdm. Für Hausmiethe bezahlen wir je zwei 6 Silberstücke monatlich, meiner Berechnung gemäß geben wir jeder jährlich 14 (?) Ducaten aus, ohne die Steuern, Almosen und andern Nebensachen zu rechnen. Die Juden zahlen in allen diesen Staaten bloß l1/» Ducaten Kopfsteuer jährlich; davon sind die Frauen und unbärtigen