Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 290)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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295 meinem Geburtsorte verlassen, um unter seinen Fittigen mich zu . bergen, und bei ihm meine Studien fortzusetzen. Er hatte für mich das Aussehen eines alten mitleidsvollen Mannes, und er sagte mir: ich werde mein Augenmerk auf dich richten, ich werde dich wie meinen Sohn behandeln. Ich werde alle seine Güte, die er für mich hatte, erwähnen und öffentlich hüll ich ihm dafür Dank Zollen. Dieser Mann ist hier sehr angesehen, es wagt Niemand etwas zu thun, ohne ihn zu Rathe gezogen zu haben; es kommen aus allen Gegenden Leute, sich mit ihm zu besprechen, und sein Rath wird treu befolgt; selbst in Aegypten, Babylonien und anderen Ländern hat fein Wort viel Gültigkeit. Die Araber verehren ihn ebenfalls sehr und fürchten ihn; denn ich habe erzählen hören, daß er durch seinen bloßen Hauch schon einen Bösewicht getödtet hätte; er ist sehr demüthig und herablassend, sein Umgang ist sehr angenehm, so daß alle Leute von ihm sagen, er wäre mehr als ein Erdenkind. Als ich hieher kam, konnte ich unmöglich eine Wohnung finden, denn die Menschenmasse war zu groß, ich begnügte mich daher mit einem Zimmer, das ich für einen Monat nahm, bis ich einen bestimmten Ruhepunkt finde. Ich wünschte sehr, mit dem Gelehrten Abraham aus Messina, Gott möge ihn und dessen Nachkommen segnen, den angesehenen Mosche aus Burgo und einen andern Sephardischen feinen und gutmüthigen jungen Menschen, die alle in einem Hofe wohnten und Tag und Nacht studirten, zusammen zu leben. Als' ich diesen Wunsch dem hochgelehrten Obadjah äußerte, bestrebte er sich sogleich mit einem unbeschreiblichen Eifer, meinem Verlangen Genüge zu leisten. Er unterhandelte auf rechtlichem Wege mit der Frau die in diesem Hofe wohnte; er überzeugte sie durch seine lieblichen Reden, daß es Zweckmäßig für mich wäre, meiner Studien halber, mit den genannten Personen zusammen zu leben, und die Frau, überließ mir gutwillig die Wohnung. R. Obadjah versprach, uns bald in seinem Hause aufzunehmen, und er hätte dies schon gethan, da er uns ungemein gewogen ist, wenn sein Haus nicht so klein gewesen wäre. Seine Güte für mich ging noch weiter; er befreiete mich von einer ungerechten Steuer: