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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 289

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 289)
Language
German
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294 der das angesehene Oberhaupt der Gesellschaft war; da dieser die Führer gemiethet und ich mit ihm Sapheth verlassen, so konnte ich mich seinem Willen nicht widersetzen. Am Dienstag verließen wir diesen Ort und gingen die ganze Nacht ohne ein Wort zu sprechen; wir kamen bei zwei Zollämtern vorüber ohne zu bezahlen; es war auf dem Wege nach Dothan, wo ich die Grube, in welche Josef hinein geworfen wurde, gesehen habe. Von Tagesanbruch blieben wir im Gebirge, bis die Steme wieder sichtbar waren. Die zweite Nacht gingen wir an Sichem, welches zwischen den Bergen Garizim und Ebal liegt, vorüber; jener ist sehr gesegnet mit Früchten, dieser hingegen ist wie eine Wüste. Wir reisten hier immer aus Furcht vor den Zollhäusern in der Nacht. Gott wollte es aber, daß wir noch in derselben Nacht den Zollwächtern begegneten, die uns nahe an Sichem nach ihrem Lager brachten, wo wir die ganze Nacht in Furcht und Schrecken zubrachten; wir hatten hier eine halbe Tagereise rückwärts machen müssen. Donnerstag Morgens hatten es die Juden und die Führer abgemacht, ihnen 14 Ducaten zu bezahlen; ich mußte auf meinen Theil 14 Silberstücke erlegen. Die folgende Nacht setzten wir unsern Weg noch immer unter Angst und Schrecken fort, denn wir waren den Verfolgungen der Leute aus Sichem, die blutdürsüg sind, ausgesetzt; Gott leitete uns aber auf den rechten Weg. Als der Morgen anbrach waren wir vor Jerusalem. Als ich nun Freitag am 18. Marcheschwan von ferne die wüste und öde Stadt und den zerstörten Zionsberg, der nun Wohnung der Löwen und Schakale ist, erblickte, ergoß sich mein Herz in Thränen, ich setzte mich nieder, weinte und machte nach Vorschrift zwei Riffe in mein Kleid; ich habe, indem ich mich gegen den Tempelplatz wendete, mein Gebet verrichtet, daß Gott bald die Gefangenschaft Israels wieder in ihr Land führen möge, daß wir noch die Wohnung Gottessehen mögen, Amen. Als wir in der Stadt waren und ich nun in der Nähe des berühmten angesehenen und gelehrten R. Obadjah 14) war, that ich ihm mein Herz auf, und erzählte ihm, wie ich meine Familie in

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