Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 258)
- Language
- German
- Belongs to
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262 IL %Pie sind mir Deine Worte werthvoll, mein Bruder, sie sind lieblicher als alle besten Gewürze vereinigt. Deine drei Briefe sind mir nebst dem großen Briefe vom ehrwürdigen Herm Jmanuel Chai (vita?) aus Comarino durch den Patron der Pilgerschiffe am 15. Elul 5249 zugekommen; ich werde Dir auf dieselben allgemein, und auf manche Punkte ausführlich, je nachdem Gott es in meine Gedanken fügen werde, antworten. Vorerst will ich den Allmächtigen preisen, und Dir für die gute Nachricht, daß unser alter Vater, den ich' immer so zärtlich liebe, noch lebt, danken; möge Gott so fortfahren und ihn noch lange uns gesund und frisch erhalten. Meine Freude wurde aber durch den Tod Deiner ältesten Tochter, wie auch den Deines Sohnes, der Dir geboren wurde, nachdem ich Euch verlassen habe, sehr getrübt; doch was Gott beschließt, ist zum Guten, und uns bleibt nun nichts anderes übrig, als für die noch Uebriggebliebenen zu beten, daß Gott ihnen seinen Segen angedeihen laffen möge und sie wohl erhalle. Du fragst mich über die verschiedenen Wunder, die aus dem Tempelberge und den Gräbern der Frommen sich zutragen; was soll ich Dir sagen, mein Bruder, ich habe sie nicht gesehen; was die Lichter auf dem Tempelplatze, von denen Du gehört hast, daß sie immer am 9. Ab verlöschen, betrifft, so habe ich es ebenfalls nur gehört, aber ich kann nichts Sicheres davon berichten. Ich brauche Dir nicht zu sagen, daß die Geschichte mit dem Sephardi Lug und Trug ist; verständige Leute wie Du, mein Bruder, müffen dergleichen Erzählungen prüfen und sich nicht an lügenhafte Berichte halten.