Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 257)
- Language
- German
- Belongs to
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261 nach Jerusalem kommen, werden bettlägerig wegen des climatischen Wechsels und der raschen Luftveränderung, bald kalt, bald warm; alle möglichen Winde wehen in Jerusalem; man sagt, daß jeder Wind, bevor er nach seinem Besümmungsorte geht, erst nach Jerusalem kommt, um Gott in Demuth anzubeten; Gott weiß ob dies wahr ist. Um was ich dich inständigst noch einmal bitte, ist, daß dein Herz nicht verzage, und du dir keine Schreckbilder über meine Entfernung machest, und daß deine Augen keine Thränen vergießen; überhaupt da Gott mich durch feine Gnade in seine heilige Wohnung gebracht, was mein Herz erfreuet, und was auch die Wonne des. Deinigen sein soll. Gott ist mein Zeuge, daß ich alle früheren Leiden vergessen, und unsere Gegend meinem Auge ganz entschwunden ist; alle Vorstellungen und Bilder, die ich noch von dort behalten, beschränken sich auf Dein Bild, das ich stets vor Augen habe. Mein Auge fließt unaufhaltsam über, wenn ich daran denke, daß ich Dich in Deinem hohen Alter verlassen habe, und ich fürchte, daß meine Jugendsünden durch Deine Thränen noch vermehrt werden. Nun bitte ich Dich, segne Deinen Diener; dieser Brief möge Dir meine Gegenwart ersetzen, denn durch denselben wirst Du das Gemüth Deines Sohnes kennen lernen und wirst ihm nicht mehr gram sein. Wenn Gott uns beim Leben erhält, so werde ich Dir jährlich mit der Galiafse ein Schreiben, welches Dich trösten soll, zukommen lassen. Entferne jeden Kummer aus Deinem Herzen, und verwische mein Andenken aus Deinen Augen; freue Dich mit Deinen lieben Söhnen und Enkeln, die um Deinen Tisch herumsitzen , und die Dein graues Haupt pflegen sollen. Ich habe für deren Wohl gebetet, und fahre immer fort, es zu thun auf den göttlichen Orten in Jerusalem, deren Wiederaufbau uns Gott möge sehen Lassen, so daß Ihr Alle nach Zion freudig mit unseren heiligen Messias kommen möget, Amen. Abgeschickt in Eile von hier Jerusalem der heiligen Stadt, die Gott bald aufbauen möge. Am 8. Elul 5248 von Deinem Sohne Obadja Jera.