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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 256

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 256)
Language
German
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260 daß sie von mir noch nichts verlangten; wie es weiter gehen wird, kann ich nicht wissen. Die Christen in Jerusalem sind in fünf Classen getheilt: Katholiken, Griechen, Jacobiten, Armenier und Johanniter (Abesiynier); jeder von ihnen erklärt den Glauben der Anderen für falsch, ganz so wie es die Samaritaner und Karaiten mit den Rabbaniten machen; jede Sekte hat eine besondere Abtheilung in der Grabeskirche, welche sehr groß ist; sie hat einen glockenförmigen Thurm ohne Glocke. Es sind immer in der Kirche zwei Personen von jeder Secte, die von dort nicht weichen dürfen. Am Zionsberg, nahe an den Königsgräbern haben die Francis' caner eine große Kirche; vor langen Zeiten waren auch die Königsgräber ihr Eigenthum. Ein reicher aschkenasischer (Jude), der nach Jerusalem kam, wollte die Gräber dem Könige abkaufen und gerieth dadurch in Streit mit den Geistlichen; seit dieser Zeit haben ihnen die Araber die Gräber weggenommen, und sie jetzt unter ihre Herrschaft gebracht. Als man in Venedig hörte, daß durch die Juden, die aus christlichen Ländern kommen, die Gräber den Katholiken abgenommen wurden, erließ man dort ein Edikt, daß kein Jude durch Venedig seinen Weg nach Jerusalem nehmen dürfe; aber jetzt ist dieses Edikt aufgehoben und es kommen jährlich Juden mit der venitianischen Galiasse und selbst mit den Pilgerschiffen; denn in der That giebt es keine sicherere und kürzere Ueberfahrt als mit diesen Schiffen. Ich wollte ich hätte dieses. alles in jenen Gegenden genau gewußt, so wäre ich nicht so lange unterwegs geblieben; die Galiaffen machen die Fahrt von Venedig bis hierher höchstens in 40 Tagen. Ich habe hier ein Haus nahe an der Synagoge genommen, das Stockwerk meiner Wohnung ist sogar in der Mauer derselben. In dem Hofe, worin sich mein Haus befindet, sind fünf Wohnungen, worin jetzt nur Frauen leben; nur noch ein einziger blinder Mann wohnt hier, dessen Frau mir alles Nöthige besorgt. Ich muß Gott, der mir bis jetzt seinen Segen angedeihen ließ, dafür danken, daß ich noch nicht so wie Andere, die mit mir zugleich gekommen sind, krank geworden bin. Die meisten Leute, die aus fernen Ländern

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