Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 255

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 255)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3138070-3138075-3138076--0820-3138910
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

259 biege Moab und Seir sind heute alle Einöden, man findet da keine bewohnte Stadt, denn die Beduinen zerstören da Alles. Diese kommen sogar bis vor die Thore Jerusalems^ stehlen und plündern auf öffentlicher Straße und Niemand kann ihnen Einhalt thun, weil sie zu zahlreich sind. Deswegen sind alle diese Gegenden öde, ohne Bewohner, es wird hier nicht gepflügt und nicht gesäet. Jericho ist jetzt ein kleines Dorf von ungefähr 20 bis 30 Häusern; Bethar, die ehemalige große Stadt, ist jetzt ein Herdenplatz und man sieht da ungefähr 20 Häuser; Bethar ist von Jerusalem eine halbe Tagereise entfernt. Ueberhaupt sind alle ehemaligen großen Städte jetzt Einöden; sie führen noch immer dieselben Namen, aber sind unbewohnt. In allen diesen Gegenden sind auf dem Wege in Thälew und Bergen Zöllner, die sich als Aufseher für die Sicherheit der Wege ausgeben und heißen arabisch Niphar;^) diese nehmen von den Juden so viel Steuer, als sie wollen, ohne daß man sie je zu Rede darüber stellt. Von Cairo bis hieher sind 20 Niphar, und ich für meinen Theil habe ihnen allen ungefähr einen Dukaten bezahlt; die Juden, die über Cairo nach Jerusalem kommen, brauchen beim Stadtthore hier nur 10 Silberdenare zu belegen; hingegen diejenigen, die über Joppe kommen, einen Dukaten. Die Juden in Jerusalem müssen jedes Jahr 32 Silberstücke in altem Gelde per Mann erlegen; dies muß sowohl der Reiche als der Arme bezahlen, sobald er in Mannes Mer kommt. Dem Niapha^o), Pas ist der Statthalter Jerusalems/ muß man für die Erlaubniß, die er ertheilt, Weine zu machen, da dieses Getränk dem Araber ein Gräuel ist, jährlich 50 Dukaten zahlen; dies ist die ganze Steuer, die die Juden jährlich hier erlegen müssen. Die alten Vorsteher aber gehen in ihrem Frevel so weit, daß sie jede Woche neue Zugaben und Steuern ausweisen, legen Jedem beliebig auf zu zahlen, und wer sich weigert, wird so lange durch das nichtjüdische Gericht geschlagen, bis er einwilligt; was meine Person betrifft, so hat mir bis jetzt Gott so weit geholfen, 17* '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.