Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 249)
- Language
- German
- Belongs to
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253 wie ich es bis jetzt noch nirgends gesehen habe; die Juden da. stehen selbst am Sabbath ein oder zwei Stunden Vortags auf und reciüren Psalmen und andere Lobgesänge bis der Tag anbricht. Dann sagt man das Kaddischgebet; zwei Chasanim, die dahier angestellt sind, reciüren dann den Segenspruch über die Thora, das Capitel über die Opfer, und alle folgenden Lobgesänge mit einer anständigen Molodie, so daß das Schema mit dem Erscheinen der ersten Sonnenstrahlen gelesen wird. DieKohanim verrichten das Duchan jeden Tag, sowohl an Wochentagen als am Sabbath in jedem Gebete, wo deren Segensformel vorkommt; zu Schachrith und Mincha werden Selichoth sammt den 13 Eigenschaften Gottes mit großer Andacht gesagt; und es ist kein Unterschied zwischen Montag, Donnerstag und den andern Tagen, als daß an den erstem in der Thora gelesen wird. Man findet heute in Jerusalem keinen, der Unzucht triebe, oder falsch schwüre; sie sind sehr behutsam gegen die Sünden, mit denen man sich nur gegen die Gottheit vergeht; selbst die alten Frevler beobachten es sehr, das Gebet zu verrichten und vermeiden die Sünden gegen die Gottheit. Ich sehe überhaupt, daß alle Einwohner der arabischen Länder mehr der Gottesfurcht sich hinneigen, als die in unserer Gegend; man findet weder einen Juden noch einen Araber hier, der für die Ketzerei oder irgend einen falschen Glauben einen Hang hätte; Niemand beschäftigt sich mit der Philosophie und den Ideen, welchen Aristoteles und seine Anhänger, — der Name der Frevler verwese, — huldigen. In Cairo war wohl einer aus dem Abendlande, der giftige Saamen der Philosophie unter die Einwohner streuen wollte, der jüdische Fürst hat ihn aber davon gejagt. Die Ansichten der Mu’thazela und der Ascliariah27) die Rambam in seinem Buche Moreh Nebochim erwähnt, sind die der arabischen Gelehrten; man findet heute keinen der Araber, der gegen die Gottheit Flüche oder sonst unanständige Reden ausstoßen würde, wie dies der Fall bei den Christen ist. Wäre nicht die Gottesfurcht so vorherrschend bei ' den Arabern, so könnte man unmöglich unter ihnen wohnen, denn ihre Staatsverwaltung ist gar nicht ausgebildet; es herrscht hier