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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 246

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 246)
Language
German
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250 in Italien exogen wurde, Rabbi Kopmano entgegen, brachte mich in sein Haus und ich blieb sein Gast den ganzen Pessach hindurch. Jerusalem ist meistens wüst und zerstört; ich brauche nicht wieder zu erwähnen, daß es von keiner Mauer umgeben ist; die Zahl der Einwohner,. wie man mir sagt, soll 4000 Familien sein. Was Juden betrifft, so sind von der ärmsten Klaffe ungefähr 70 Familien übrig geblieben, es giebt beinahe keine Familie, der nicht das Nothwendigste mangeln würde; wer Brod für ein Jahr hat, wird reich, genannt. Es sind jetzt viele alte verlaffene Wittwen aus Aschkenas und Sephard und vielen andern Ländern vorhanden, so daß sieben Frauen auf einen Mann kommen. Das Land ist jetzt ruhiger und glücklicher, denn die Alten sind in sich gegangen, da sie eingesehen, daß die Vermögendern ausgewandert sind und nur der ärmere Theil geblieben ist; sie sind daher sehr höflich gegen jeden Neuankommenden; sie entschuldigen sich sehr über das Geschehene, und versicherten daß sie Niemandem, der sich nicht über sie erheben wollte, Etwas zu Leid thäten. Was mich betrifft, so kann ich bis heute nicht über sie klagen; im Gegentheil sie haben mir nur viel Gutes gethan, und sind rechtlich mit mir umgegangen, wofür ich Gott jeden Tag preise? Die Juden haben gar keine Bedrückungen von den Arabern in diesen Ländern auszustehen; ich bin in diesem Lande nach der Länge und Breite gereist und Niemand von ihnen hat mir was in den Weg gelegt. Sie sind sehr gefällig gegen Fremde, uyd besonders gegen den, der die Sprache nicht kennt; wenn sie mehrere Juden beisammen sehen, so sind sie durchaus nicht mißmuthig darüber. Meiner Ansicht gemäß könnte ein Mann, der die Staatsverwaltung verstünde, sich leicht zum Oberhaupte der Juden sowohl' als der Araber hier machen; denn unter allen Juden hier giebt es keinen klugen und verständigen Mann, der mit Leuten umzugehen verstände; alle sind wild, Haffen die Menschheit und sind nur auf ihren Gewinn bedacht. Ich bin Todtengräber in Jerusalem geworden, da man keinen hier findet, der die Todten trägt und ihnen die letzte Begleitung

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