Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 229)
- Language
- German
- Belongs to
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__233 wirrung brachte, so daß sie auf einmal zu fliehen begannen, und sich unter einander nieder machten. Dieses Wunders wegen bauete der Großmeister auf diesem Orte eine Kirche und gab den Juden ein anderes Gebäude dafür; bei meiner Anwesenheit in Rhodus hat er ihnen 100 Ducaten von dem Einkommen der Stadt ausgesetzt, um eine Synagoge zu bauen. Die Juden, die in Rhodus geblieben, sind nicht zahlreich; es sind im Ganzen zwei und zwanzig Familien, alle arm, die sich kümmerlich von Gemüsen nähren, und nie kommt Brod und Fleisch in ihren Mund, denn sie schlachten nie und kaufen auch keinen Wein, aus Furcht mit den Griechen die daselbst wohnen Unannehmlichkeiten zu haben. Wenn sie etwas auf dem Markte kaufen, so berühren sie nichts, was den Griechen gehört; sie beobachten eben so streng das Weingesetz, wie das des Schweinfleisches. Die Juden hier find Alle sehr vernünftig und unterrichtet, führen eine reine Sprache und sind sehr sittlich und höflich; selbst die Gerber sind immer reinlich gekleidet und sprechen anständig. Alle lasien ihr Haar lange wachsen und sind schön von Gestalt. Es giebt keine schöneren Frauen als in Rhodus; diese machen für die Acomodoren (die Herren des Landes) allerlei Kunstarbeiten, womit sie ihre Männer ernähren. Die Acomodoren achten sehr die Juden, und kommen sehr oft in die jüdischen Häuser, um mit den Frauen, die da arbeiten, ein wenige zu plaudern, und deshalb sind auch die jüdischen Frauen allen Verleumdungen unter den Christen preisgegeben^ Wenn Jemand da stirbt, so wird ihm kein Sarg gemacht, sondern er wird nur in den Todtengewändern begraben; man macht nämlich da, wo man ihn begraben will, in der Erde einen Eindruck von einer menschlichen Gestalt, denn die Erde daselbst ist noch unbearbeitet und man kann solche Vertiefungen machen; man legt den todten Körper in diese Höhlung, legt ein Brett auf ihn und deckt ihn dann mit Erde zu. Die Luft in Rhodus ist so rein und so angenehm, wie ich es noch nie anderwärts so gefühlt habe; das Wasser ist süß, die Erde ist gesund aber mager und die