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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 222

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 222)
Language
German
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Palermo ist die Hauptstadt von Sicilien; es finden sich hieran 850 jüdische Familien, alle in einer Straße, welche im besten Theile der Stadt gelegen ist, wohnend. Sie sind Handwerker, als- Kupfer- und Eisenschmiede, Lastträger und Bauern; sie sind verachtet bei den Christen, da sie zerlumpt und schmutzig gekleidet sind- Sie müssen als Auszeichnung ein rothes Stück Tuch ungefähr vorr der Breite eines Goldstückes an ihren Kleidungsstücken, am Brusttheile angeheftet haben. Die königliche Steuer lastet schwer auf denselben, denn sie müssen jede Arbeit, die vorkommt, für den König unternehmen; so müssen sie die Schiffe ans Ufer ziehen,. Dämme machen und dergleichen. Sie werden auch als Executoren für Leibes- oder Todesstrafe gebraucht. Angeber sind zahlreich unter ihnen; es kommt täglich vor, daß einer den andern verleumdet, so daß hier Verleumdung nicht mehr als Verbrechen erscheint. Das Landesgesetz fördert noch diese Uebelthat, da nach demselben der Hinterbringer nicht gestraft wird, wenn auch dessen Aussage nicht als begründet erwiesen ist. Auch ist Keuschheit hier nicht zu Hause, da die meisten Bräute schwanger zur Trauungsceremonie kommen; hingegen sind sie sehr strenge gegen den Genuß des Weines vom Christen. Sie hatten einmal einen, der sich einem Christen verdungen, um seinen Wein von einem Orte zum andern zu bringen, seines Lohnes verlustig erklären wollen, und nicht viel fehlte, dass man nicht den Bann über ihn ausgesprochen, hätte es sich nicht herausgestellt, daß er seines Verbrechens unbewußt war. Die Synagoge in Palermo hat ihres Gleichen nicht in fcer Welt; im äußersten Hofe derselben winden sich Weinstöcke, wie ich deren noch nie gesehen habe, um die steinernen Säulen; ich habe einen dieser Weinstöcke gemessen, und er war fünf Spannen dick. Von da geht man auf steinernen Stufen in einen andern Hof hinab,, der zum Vorgebäude der Synagoge gehört. Sie selbst ist von drei Seiten mit einer Vorhalle, in welcher sich große Stühle für die Personen, die aus irgend einer Ursache nicht in die Synagoge ein-

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