Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3138070-3138075-3138076--0650-3138740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
85 sie halte sich noch nicht ganz erholt von ihrer Krankheit — und faßte in zwei Tagen eine Vertheidigung ab, die mit schlagenden Gründen sie rechtfertigte, den Gegner ganz und gar vernichtete und in seiner häßlichen Blöße darstellte. Schärfe der Dialektik, gespickte Handhabung der Ironie und die hinreißende Begeisterung für die vertheidigte Grundlehre jedes Glaubens zeichnen die Schrift Sara's aus, so daß man dem erbärmlichen Baldaffar Bonifacio fast Dank wissen möchte, daß er die Veranlassung derselben war15). Die genannte Schrift ist, neben ihren wenigen Sonetten und Briefen, die in die Sammlung Ceba's aufgenommen sind, das einzige Produkt ihres herrlichen Geistes, das auf die Nachwelt gelangt ist, und uns bedauern läßt, daß ihre Bescheidenheit alles Uebrige vernichtet hat. Hören wir die kurze Vorrede des Werkchens! „Du wirst es ohne Zweifel sonderbar finden, geneigter Leser, daß mein Name, der in hiesiger Stadt nicht ganz unbekannt ist, zum ersten Mal auf Veranlassung einer Anklage gedruckt erscheint, welche sich auf die Leugnung eines Glaubenssatzes bezieht, die man schwerlich von mir erwarten konnte; allein die Schlechtigkeit oder Einfalt eines Menschen nöthigte mich zu dem Entschluß, zu dem ich mich schwerlich aus irgend einem Grunde entschieden haben würde, obschon ich mehrere Werke angefertigt habe, die vielleicht eine bessere Aufnahme finden und mir mehr Ehre bringen würden. Man darf sich wohl überzeugt halten, daß bei der eiligen Abfassung dieser kurzen Vertheidigungsschrift der Gedanke.mir fern lag, irgend welchen Ruhm dadurch zu ernten, vielmehr lediglich der Grund mich zur Herausgabe bewog, um eine niederträchtige Verleumdung des Herrn Baldaffar Bonifacio von mir abzuweisen. Man erwarte von dieser Schrift weder neue Ansichten noch tiefe Gelehrsamkeit; erstlich weil mir diese mehr als je abgeht, seit einer schweren Krankheit, von der ich mich noch nicht gänzlich erholt habe, und durch die ich lange in Todesgefahr geschwebt, einer Gefahr, die die Güte Gottes von mir abgewandt, um mir noch Zeit zu lassen, meinen Namen von einem solchen Makel zu reinigen; sodann, weil ich mich beeilen mußte, eine so harte Beschuldigung so schnell als möglich