Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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81 meinte, den Gedanken an die Muttex Gottes nicht dabei hegen sollte, sondern nur, als an eine heilige Frau der jüdischen Nation gerichtet; auch das schien ihr ein Abfall von dem Glauben ihrer Vater. Zum Troste jedoch schickte sie ihm ihr Bild, mit den Versen: „Das ist das Bild derjenigen, die Dein Bild allein in ihrem Herzen tief eingegraben trägt und es mit der Hand auf dem Busen Jedem zeigt: hier wohnt mein Abgott, beuge dich vor ihm!"") Ansaldo hatte das Geschenk mehr gefürchtet, als ersehnt. Die Züge des schönen Mädchens übertrafen noch bei weitem die Idee, welche er sich von ihnen gemacht hatte und wenn auch die liebevollen Worte, die es begleiteten, ihn trösteten, gerade als er eine Schwester verlor, die in Leid und Freude stets den innigsten Antheil an ihm genommen, so fühlte er doch, daß diese Züge einen größeren Eindruck auf ihn gewacht hatten, als für ihn wünschenswerth war. Ja eine gewisse Eifersucht beschleicht ihn, als er vernommen, daß Sara in nähere Beziehung mit einer patrizischen Familie Venedigs getreten sei. „Wir haben uns endlich", schreibt er unter Andern, „doch wenigstens gemalt gesehen, und ich weiß nicht, wer von uns beiden sich mehr darüber gefreut hat. Ich wenigstens muß Ihnen sagen, daß auf dieser Welt weder Ihr Bild, noch Ihre Person zu sehen für mich gut ist. Ich bedarf der Sammlung und der Ruhe für die letzten Stunden meines Lebens und Sie, Sre haben von so vielen Seiten zugleich den Angriff auf mich gemacht, daß ich aus Ihren Händen nicht mehr entkommen kann. Ich bin so wenig Herr über mich selbst, daß ich mich bisweilen vor Ihrem Bilde Gefühlen überlasse, vor denen ich beinahe erröthen muß. So liebend, wie ich liebe, leidend, wie ich leide, weiß ich nicht, wie ich noch leben kann; und dennoch lebe ich und schreibe Briefe voller Zärtlichkeit, als gingen meine Tage nicht auf die Neige." Dann fährt er in poetischer Form fort: „Du stehst in der schönsten Blüthe Deiner Jahre, rosig glühen und färben sich Deine Wangen, ich stehe an der Grenze meines Lebens, im Innern noch Liebesgluthen, Eisesfrost in meinen Gliedern." ^) Wir wollen es dem -gläubigen Schwärmer gerne nachsehen, wenn er noch immer in in. 6